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Schwimm um dein Leben

Die ersten Minuten im Leben einer frisch geschlüpften Schildkröte sind extrem gefährlich: Am Strand lauern Vögel, im Wasser Raubfische. Wie anstrengend ist dieser Spießrutenlauf für die Jungtiere?
Was schwimmt denn da?

Schildkröte im Schwimmanzug

Direkt nach dem Schlüpfen krabbeln Meeresschildkröten vom Strand in Richtung Wasser und schwimmen ins offene Meer. Doch bevor sie überhaupt in die Tiefen des Ozeans gelangen, erwischen Räuber etwa 30 Prozent aller Jungtiere: Das flache Wasser nahe der Küste ist voll mit Raubfischen. Ihnen zu entkommen, kostet viel Kraft. Aber wie viel?

Auf der Heron-Insel am südlichen Ende des Great Barrier Reef in Australien schlüpfen jährlich zahlreiche Jungtiere. David Booth von der University of Queensland beobachtete fünf Nester der Grünen Meeresschildkröte Chelonia mydas und wartete, bis die ersten Eierschalen sprangen. Der Biologe wollte wissen, wie viel Energie die Tiere ihre Flucht ins offene Meer kostet. Aus jedem Nest trug er ein frisch geschlüpftes Junges in eine Forschungsstation in der Nähe des Strandes.

Im Labor wog er die Tiere und zog ihnen winzige Elastan-Schwimmanzüge mit einem Geschirr an, das mit Schnüren an einem Energieumwandler hing. Danach legte Booth die Kleinen in ein Meerwasseraquarium, um ihren Kraftaufwand beim Schwimmen zu messen. Sobald die Jungen ins Wasser gelangten, wurden sie hyperaktiv und kraulten los. Um schnell vorwärts zu kommen, benutzten die Tiere ausschließlich ihre Vorderflossen; nur wenn sie den Kopf zum Luftholen aus dem Wasser streckten paddelten sie mit jeweils diagonal entgegengesetzten Flossen.

Während ihres Marathons weichen die Schildkröten Raubtieren allerdings nicht aus. Ihre Taktik beruht einzig und allein darauf, das gefährliche Flachwassergebiet so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. was sie mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 1,6 Kilometer pro Stunde beim Schwimmen versuchen: Ein Jungtier braucht also zwischen 10 and 40 Minuten, um das Korallenriff zu verlassen. Erst nach zwei Stunden schränken die Tiere ihre Anstrengung rapide ein, also erst wenn sie sicher hinter der Gefahrenzone angekommen sind. Je tiefer sie ins Meer gelangen, desto häufiger entspannen sie in der Paddel-Phase oder machen Pausen, ganz ohne weiter zu schwimmen.

Insgesamt verbrauchten die Schildkröten in den 18 Stunden von Booths Untersuchung 4,79 Kilojoule, also etwa eine Kilokalorie. Der Forscher schließt aus diesem Wert, dass Jungtiere zehn Tage ohne Nahrung im Meer überleben können. Rechnet man noch ein, dass sie zwischendurch Pausen zur Erholung einlegen, reichen ihre Energiespeicher sogar für zwei Wochen aus, bevor sie fressen müssen.

Und wer sich jetzt fragt, was nach diesen 18 anstrengenden Stunden in Booths Aquarium mit den Schildkröten passiert ist: Keine Sorge, sie wurden nicht Opfer ihres Namens, sondern alle sicher ins Meer gebracht. (mh)

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