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Hirschhausens Hirnschmalz: Die Trübsal stirbt zuerst

Die Fridays for Future-Bewegung zeigt vor allem eins auf: wie wichtig echte Taten statt nur warme Worte sind – und wie sehr uns eine Portion Optimismus dabei motivieren kann.
Dr. Eckart von HirschhausenLaden...

Wer jammert, der ist nie allein. Das ist ein Dilemma von Selbsthilfegruppen, in denen bisweilen eine Spirale nach unten entsteht: Den Pokal bekommt dann der, dem es am schlechtesten geht. Wenn man eigentlich ganz gut drauf ist, traut man sich das gar nicht zu sagen, denn man will ja dazugehören. Und es ist immer leichter, die eigene Stimmung runterzuziehen als die der anderen Teilnehmer rauf.

Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, treibt mich das Thema Nachhaltigkeit nachhaltig um. Wobei das Wort schon nach Selbsthilfegruppe und Beschwernis klingt. Denn bevor es nachhaltig wird, bekommt man einiges vorgehalten. Ich hatte kürzlich die Ehre, die Initiative »Scientists for future« auf der Bundespressekonferenz vorstellen zu dürfen. Eine Teilnehmerin, Maja Göpel vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, schickte mir danach eine Studie, die ich heute loben möchte. Sie trifft das Dilemma der Klimakrise ziemlich gut: Wo sind die Erfolgsgeschichten? Schließlich ist nicht nur Trübsal­blasen ansteckend, sondern auch Optimismus!

Optimisten sind Menschen, die Sudokus mit Kugelschreiber lösen. Selbst im Netz gibt es Optimisten. Zum Beispiel die Macher der Website »perspective-daily.de«, die Auswege statt Probleme aufzeigen. Denn Kommunikationsforscher wissen: Mit Horrormeldungen bekommt man zwar viele Klicks, aber keinen Hintern hoch. Angst lähmt. Und führt eher zu Abwehr oder erlernter Hilflosigkeit, wenn scheinbar eh nichts hilft. Das alte Prinzip »think globally, act locally« fördert dagegen die Selbstwirksamkeit. Kleine Erfolge zu erzielen und andere damit anzustecken, ist schließlich sogar für Utopisten realistisch. Radwege in der Stadt sind machbar, wenn auch noch kein globaler Durchbruch. Doch selbst den gibt es: Dass der FCKW-Ausstoß weltweit gedrosselt wurde und das Ozonloch schrumpft, sollte uns anspornen. Das können wir ebenso mit Kohlendioxid, Stickoxiden und Rinderpupsen schaffen.

Forscher um Dominic McAfee beschreiben, wie Optimismus von der Lethargie zum Engagement führt. Da bekanntlich die Dosis das Gift macht, kann zu viel Optimismus in pure Fantasy abdriften. Wobei das Einhorn eine der wenigen Arten ist, deren Aussterben mir persönlich nicht so viel ausmachen würde – vor allem in ihrem natürlichen Habitat: Ramschläden.

Besser ist: die Zielgruppe kennen, die Bedrohung benennen und eine Erfolgsgeschichte erzählen inklusive eines Wegs, der zum Nachahmen anregt. So weckt man Aufbruchstimmung.

Martin Seligman, ein Wegbereiter der positiven Psychologie, beschreibt Optimismus als ein Mittel, selbst gesteckte Ziele zu erreichen. Am besten verbunden mit gesunder Selbsteinschätzung und Gruppendynamik. Positive Emotionen fördern meist konstruktive Entscheidungen. Nein, ich sage nichts über die Bundes­regierung und ihr »Klimakabinett«  … wer weiß, ob es beides bei Erscheinen dieses Hefts noch gibt. Und ich weiß noch nicht einmal, ob das jetzt optimistisch gedacht ist oder nicht.

6/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 6/2019

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