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Cochleaimplantat: Direkter Draht zum Hörnerv

Wird es früh genug eingesetzt, erlaubt ein Cochleaimplantat heute auch taub geborenen Kindern, sich ohne Einschränkungen mittels Lautsprache zu ver­ständigen. Für den Nachwuchs gehörloser Eltern kann das zusätzliche Erlernen der Gebärdensprache eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Neulich traf ich zufällig wieder einmal Sarah, die gerade kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin stand. Ich erinnere mich noch gut an eine Begegnung mit der heute 22-Jährigen als vierjährigem Kind: Begeistert schilderte sie mir Erlebnisse aus dem Kindergarten – in ausgeprägtem bayerischen Dialekt. Ihre Mutter rief ihr zu, dass ich als Norddeutsche nur Hochdeutsch verstehe. Sofort schnatterte das Mädchen wieder los, diesmal dialektfrei. Das Ungewöhnliche daran: Sarah ist von Geburt an gehörlos und erhielt als Zweijährige ein Cochleaimplantat (CI).

Auch Peter wurde gehörlos geboren und trägt seit dem zweiten Lebensjahr ein CI. Im Unterschied zu Sarah hat er gehörlose Eltern und beherrscht neben der Lautsprache auch die Gebärdensprache. Beim letzten Treffen erzählte er von einem Schulstreich, und zwar gleichzeitig mir in Worten und der gehörlosen Mutter in schnell ausgeführten Gebärden – also sozusagen bilingual.

Beide Kinder haben Glück gehabt: Ihre Eltern brachten sie schon frühzeitig mit Verdacht auf Hörstörung zum Arzt. Warum sie gehörlos sind, wissen wir nicht. Derartige Innenohrdefekte betreffen mindestens eines von tausend Neugeborenen und haben oft eine unbekannte Ursache. Es steht zu vermuten, dass wenigstens zwei Drittel der Fälle auf genetische Gründe zurückgehen. ...
Spezial Physik - Mathematik - Technik 2/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Physik - Mathematik - Technik 2/2015

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