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Editorial: Das Vergessen aufhalten

Demenz ist heimtückisch. Langsam raubt sie Betroffenen ihre persönlichsten Schätze: die Erinnerungen an ihr eigenes Leben und an ihre Liebsten. Mehr als 50 Millionen Menschen weltweit leiden unter dem fortschreitenden kognitiven Abbau, bei einem Großteil von ihnen ist die Ursache Morbus Alzheimer. Gleich zwei Artikel in dieser Ausgabe widmen sich der neurodegenerativen Erkrankung. Ab S. 48 beleuchtet Alison Abbott, wieso experimentelle Alzheimermedikamente in Studien bisher schlechter als erhofft abschnitten. Die Ursache liegt womöglich im Timing. Denn sobald ernste Schäden im Hirn entstanden sind, ist es zu spät, um ihre Folgen abzubremsen. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob die Arzneien wirksamer sind, wenn Menschen sie vor dem Auftreten von Symptomen einnehmen. Die Ergebnisse werden in Wissenschaftskreisen mit Spannung erwartet. Sollte die frühe Einnahme nicht die erwünschte Wirkung erzielen, steht nämlich nicht nur die Zukunft der Wirkstoffe auf dem Spiel, sondern auch die der führenden Theorie zur Ursache von Alzheimer, der Amyloid-Hypothese.

Eine bestimmte Patientengruppe ist von vornherein von vielen dieser Medikamententests ausgeschlossen – entgegen der Verpflichtung zur Gleichbehandlung, die aus der UN-Behindertenrechtskonvention hervorgeht: Menschen mit Down-Syndrom. Warum Betroffene besonders häufig und früh Alzheimer entwickeln, erklärt unser Autor Anton Benz auf S. 54.

Auch das gesunde Gehirn hält noch zahlreiche Rätsel für Neurowissenschaftler bereit. György Buzsáki vertritt ab S. 12 eine neue These, die so manche verbreitete Annahme der Hirnforschung über Bord wirft. Unser Geist startet demnach nicht als unbeschriebenes Blatt, sondern ist vielmehr voller anfangs sinnloser Einträge, die dann mit Eindrücken aus der Außenwelt verknüpft werden. Experimente deuten darauf hin, dass an dieser alternativen Sichtweise etwas dran ist.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
Michaela Maya-Mrschtik

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