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Editorial: Ein ganz besonderes Tier

Redaktionsleiter Dr. Hartwig HanserLaden...

Normalerweise betreiben wir bei Spektrum der Wissenschaft keine Nabelschau, sondern richten den Blick eher nach außen und präsentieren etwa Forschungen zum Kosmos, zum Klima oder zu medizinischen Problemen. Jetzt rücken wir uns aber doch einmal selbst ins Rampenlicht, und das gleich in Form einer sechsteiligen Serie zur Frage »Was ist der Mensch?«: Worin besteht eigentlich das Besondere an unserer Spezies, in Abgrenzung zu anderen hoch entwickelten Tieren? Wie einzigartig sind wir wirklich, und warum ist das so? In dieser Aus­gabe beleuchtet zunächst der Verhaltens- und Evolutionsbiologe Kevin Laland ab S. 12 unsere ausgeprägte Fähigkeit, Wissen an andere weiterzugeben – kurz gesagt unsere Kultur. Der Psychologe Thomas Suddendorf analysiert dann ab S. 20 die kognitiven Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Weitere Artikel in den folgenden Heften behandeln die Entstehung von Sprache, die Menschwerdung in der Evolution, die Entwicklung von Moral sowie die Erfindung des Kriegs.

Der schwierigste Aspekt ist vielleicht das Bewusstsein, um das es in der kommenden Ausgabe geht. Warum können wir über uns selbst nachdenken und von uns als »Ich« sprechen – und wieweit findet sich die Fähigkeit auch bei anderen intelligenten Tieren? Das Bewusstsein eines Selbst hängt mit den übrigen erwähnten Themen eng zusammen, denn ohne dieses gäbe es wohl kaum Sprache, Moral oder Krieg. Es hat dem Menschen völlig neue Entwicklungsmöglichkeiten erschlossen, ist aber gleichzeitig auch seine Achillesferse: Wer sich seiner selbst bewusst ist, ist sich ebenso seiner Endlichkeit bewusst, seiner Bedeutungslosigkeit und seiner Unterlegenheit. Die mentalen Kompensations­mechanismen, mit deren Hilfe Menschen versuchen damit umzugehen – von Stammesdenken über Religionsfanatismus bis zur Flucht in Süchte und materiellen Gewinn –, stellen die Menschheit als Ganzes heute vor existenzielle Probleme. Es bleibt zu hoffen, dass wir diese dank Fähigkeiten wie der in diesem Heft betrachteten Kultur und Kognition lösen können.

Mit der Januarausgabe gibt es zudem ein Jubiläum zu feiern: Seit 10 Jahren er­läutert der preisgekrönte Physikdidaktiker Hans-Joachim Schlichting in seiner nach ihm benannten Kolumne die verschiedensten Phänomene der Alltagsphysik, von farbenprächtigen Lichtbrechungen im Schnee bis zu den mysteriösen Schichten in einem Latte macchiato. Gerade der Kaffee scheint es ihm angetan zu haben, untersuchte er doch bereits in seinem ersten Beitrag im Januar 2009 das Verhalten von Kaffeeflecken in der Tischdecke. Alle Schlichting-Fans können sich schon auf den 15. Februar 2019 freuen; dann erscheint bereits zum dritten Mal eine Zusammenstellung seiner Beiträge als Spektrum Spezial Sonderheft.

Herzlich grüßt Ihr

Hartwig Hanser

Januar 2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Januar 2019

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