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Editorial

Elektrisch, praktisch, gut?

Redaktionsleiter Dr. Hartwig Hanser

Mein elektrisches Aha-Erlebnis hatte ich im Sommerurlaub 2016. Wir wohnten in einem Hotel in den Schweizer Hochalpen, das einem Strom­unternehmen gehört und vermutlich auch aus diesem Grund eine Elektrotankstelle für Gäste zur Verfügung stellt. Mal abgesehen davon, dass ich noch nie so viele Teslas an einem Ort versammelt gesehen habe wie dort – da stand doch tatsächlich obendrein ein elektrisch betriebener VW Golf kostenlos für Testfahrten zur Verfügung! Als eines Tages penetranter Dauerregen jegliche Wanderung verunmöglichte, nahmen wir das Angebot spaßeshalber an, milde neugierig gestimmt, aber ohne besondere Erwartungen. Umso größer mein Erstaunen beim ersten Niederdrücken des Pedals: Eine solche Beschleunigung, ohne jede Verzögerung, und das auch noch praktisch geräuschlos, hatte ich noch nie erlebt. Nach einer zweistündigen Spritztour war für die ganze Familie klar: Unser nächstes Auto wird auf jeden Fall ein Elektro! Kein Lärm, keine Abgase, super Fahr­gefühl – was will man mehr? Es ist ja selten genug, dass sich erhöhter Komfort derart gut mit dem ökologischen Gewissen vereinbaren lässt.

Die diversen Skandale der letzten Zeit zum Thema Diesel, Abgas & Co haben nicht nur dieses Gefühl noch verstärkt, sondern auch dem Thema Elektroauto allgemein zu Schlagzeilen und erhöhter Relevanz verholfen. Nur bleibt die Gretchenfrage bestehen – ist solch ein stromgetriebenes Gefährt tatsächlich viel umweltfreundlicher als ein Diesel oder Benziner? Die Sach­lage hierzu ist keineswegs eindeutig, sondern auf den ersten Blick eher verwirrend. Grund genug für uns, die aktuellen Studien dazu für unser Titelthema ab S. 12 zu sichten. Denn die Ökobilanz von Elektroautos hängt stark von den konkreten Details ab, zum Beispiel woher der Strom stammt, den man tankt, und wo mit welcher Energie die Batterien produziert wurden.

Überhaupt gelten die Batterien ja als Achillesferse der E-Mobilität. Daher haben wir Dominic Bresser vom Helmholtz-Institut für Elektrochemische Energiespeicherung in Ulm gebeten, den aktuellen Stand der Akkuforschung zusammenzufassen sowie einen Überblick über die verschiedenen derzeit in Entwicklung befindlichen Typen zu geben. Sein Fazit: An einer konsequenten Weiterentwicklung der bewährten Lithiumbatterien führt wohl auf absehbare Zeit kein Weg vorbei. Umso wichtiger ist es daher, deren Herstellung möglichst umweltfreundlich zu gestalten!

Herzliche Grüße

Ihr

Hartwig Hanser

Mai 2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Mai 2018

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