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Paläoanthropologie: Menschenevolution durch Klimaschwankungen

Abwechselnd feuchte und trockene Zeiten trieben die Menschwerdung an. Die vielen Klimaumschwünge förderten moderne Merkmale wie Flexibilität. Weniger anpassungsfähige Homininen hielten die ökologischen Umbrüche nicht aus.
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Von der kleinen Anhöhe blicke ich auf den glitzernden Turkanasee – und über die öde rötlich braune Landschaft im Norden Kenias hinweg. Größer könnte der Kontrast zwischen der blaugrün schimmernden Wasserfläche und der fast kargen, steinigen Wüste kaum sein. Besonders ab mittags, wenn auch das Gestein Hitze abstrahlt, fühlt man sich sogar in Seenähe wie in einem Backofen. Angesichts der staubgetränkten Luft, die den Horizont verschleiert, fällt es einem schwer, sich hier etwas anderes als Wüste vorzustellen. Und doch wuchsen an dieser Stelle einmal Bäume zwischen weiten Grasfluren.

Der Turkanasee, früher Rudolfsee genannt, liegt im Ostafrikanischen Graben. Mit einer Gesamtlänge von 270 Kilometern und maximal 50 Kilometer Breite zieht er sich noch bis weit nach Äthiopien hinein. Von dorther speist ihn der Omo – in den meisten Jahreszeiten sein einziger Zufluss, der ihm vom äthiopischen Hochland die Wassermassen der Monsunregen zuführt.

Anzeichen dafür, dass hier früher ein viel feuchteres Klima herrschte, finden sich zuhauf. Zum Beispiel besteht der Hügel, auf dem ich stehe, aus 3,6 Millionen Jahre alten Sedimenten, die sich am Boden eines Vorläufers des heutigen Turkanasees ablagerten. Der frühere See war erheblich ausgedehnter und tiefer und füllte das Bassin bis zum Rand. Die trockenen weißen Sandschichten sind Überreste von Algenfossilien. Auch gibt es in dem Gebiet jede Menge Fossilien von großen Fischen. Andere Studien belegen, dass diese Region einst eine von Grasfluren, Bäumen und Seen geprägte Landschaft war.

Die meisten bisher bekannten Zeugnisse von den Anfängen und dem weiteren Verlauf der Menschwerdung stammen von Orten in Ost- und Südafrika. Darunter sind wichtige Funde von der Gegend um den Turkanasee. Und die Forscher sind sich zunehmend einig, dass die menschliche Evolution wesentlich mit der großen Verschiebung der klimatischen und damit ökologischen Bedingungen hin zu viel trockeneren Verhältnissen zusammenhing. ...

Februar 2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2015

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  • Quellen

Antón, S. C. et al.: Evolution of Early Homo: An Integrated Biological Perspective. In: Science 345, S. 45, 2014

Cerling, T. E. et al.: Stable Isotope-Based Diet Reconstructions of Turkana Basin Hominins. In: Proceedings of the National Academy of Sciences USA 110, S. 10501 - 10506, 2013

DeMenocal, P. B.: Climate and Human Evolution. In: Science 331, S. 540 - 542, 2011