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Borderline-Persönlichkeitsstörung: Mit Haut und Herz im Gefühlschaos

Borderline-Patienten geraten leicht unter Stress und tun sich schwer damit, ihre Gefühle in Schach zu halten. Diese emotionale Fehlregula­tion lässt sich auch physiologisch nachweisen, wie ­Jurate Aleknaviciutea und ihre Kollegen vom Medizinischen Zentrum der Erasmus-Universität Rotterdam feststellten. Sie untersuchten dazu 26 Frauen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie zwei Kontrollgruppen: 20 Patientinnen mit einer abhängigen oder vermeidenden Persönlichkeitsstörung sowie 35 gesunde Frauen.

In Voruntersuchungen sammelte das Forscherteam Informationen über den biografischen Hintergrund der Probandinnen: Gab es in ihrer Kindheit eine Bezugsperson, zu der sie eine sichere Bindung aufgebaut hatten? Waren sie missbraucht oder misshandelt worden? Danach strapazierten Aleknaviciutea und Kollegen die Nerven ihrer Versuchspersonen. Jede Frau hatte nur kurz Zeit, einen Vortrag vorzubereiten, um diesen vor Kamera und Zuschauern vorzutragen. Unter kritischen Blicken des Gremiums mussten sie außerdem Matheaufgaben lösen. Vor, während und nach diesen Tests registrierten die Wissenschaftler die Herzrate, die Hautleitfähigkeit sowie den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Speichel.

Subjektiv erlebten beide Patientinnengruppen den "Stresstest" viel nervenaufreibender als gesunde Probandinnen. Aber nur bei den Borderlinerinnen ging das mit physiologischen Auffälligkeiten einher. Denn während bei den übrigen Frauen Cortisolspiegel und Herzrate nach oben schossen, fiel beides bei Borderline-Probandinnen schwächer aus. In puncto Hautleitfähigkeit hingegen reagierten sie stärker als die anderen – kranken und gesunden – Teilnehmerinnen.

Die Forscher vermuten biografische Ursachen: Borderline-Patientinnen mussten in ihrer Kindheit häufiger Missbrauch und eine unsichere Bindung erleben als die übrigen Frauen. Das habe die körper­liche Stressregu­lation durch das sympathische und parasympathische Nervensystem langfristig aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Befund zeige, wie stark frühe Erfahrungen die spätere Emotionsregulation beeinflussen.

Psychoneuroendocrino. 72, S. 131–138, 2016

12/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2016

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