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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1949

Die Pintsch-Fotozelle. Die Leipziger Messe hatte eine wirkliche Sensation: eine neue aus einem Cadmiumsulfid-Einkristall bestehende Fotozelle, die in erster Linie für die Tonfilmtechnik bestimmt ist und die aller Voraussicht nach dem Schmaltonfilm im Heim zum Siegeszug verhelfen dürfte. Die im Äußeren einer Sperrschichtzelle ähnliche Foto-zelle ist in der Lage, eine Wechselspannung von 2 Volt abzugeben, so daß der Vorverstärker fortfallen kann und man für die Schmaltonfilmwiedergabe den Nf-Verstärker eines normalen Rundfunkgerätes benutzen kann, das heißt, das Lichttongerät wird einfach an die Ton-abnehmerbuchsen eines Rundfunkempfängers angeschlossen. (Funkschau, 21. Jg., Nr. 5)



Eine gegen Atombomben befestigte Stadt. Der Architekt O. K. Fulmer und der Ingenieur F. N. Severud kommen zum Vorschlag der Aufteilung der offenen Atom-Stadt in aneinandergereihte, sechseckförmige Quartiere, die je etwa 600 bis 800 Familien Raum zum regulären Freiluft-Wohnen bieten. Die Umwallung der Sechseck-Zellen ist durch liegende Eisenbetonrohre von 30 m Höhe und 48 m Breite vorgesehen, die in den eingebauten vier Stockwerken die lebenswichtigen Industrien und Vorratsräume aufnehmen. Diese Eisenbetonrohre, von 60 cm Aussenwandstärke und mit vorgespanntem Dachgewölbe, reichen 7,5 m in den Boden hinunter und weisen an ihren je etwa 450 m entfernten Kreuzungspunkten kräftige Rundtürme auf, die der Strom- und Wasser-Versorgung, sowie der Luftabwehr dienen... Zum Schluss beurteilen die Autoren die Kosten einer solchen Atom-Stadt wohl als unsinnig, aber doch nicht höher als diejenigen einer einzigen Atombombe. (Schweizerische Bauzeitung, 67. Jg., Nr. 22, S. 319)



Ein neues Farbfilmverfahren. Das Roux-color-Verfahren vermeidet den Nachteil subtraktiver Methoden dadurch, daß das mit einem einzigen Objektiv aufgenommene Bild erst durch eine Blende geleitet, dann die Strahlen durch einen Kondensator parallel gerichtet und durch ein sekundäres Objektiv in vier gleiche Bilder zerlegt werden. Das sekundäre Objektiv enthält vier Farbfilter (grün, rot, blau und gelb), durch die je ein Viertel der Fläche eines normalen Filmbildes belichtet wird. Auf dem Normalformat befinden sich also vier gleiche Bilder, die sich nur dadurch unterscheiden, daß jedes durch ein anderes Filter gegangen ist. Zum Belichten wird gewöhnlicher Schwarz-Weiß-Film verwandt, auch die übrige Behandlung ist die gleiche wie beim Schwarz-Weiß-Film. Dadurch wird die Filmherstellung wesentlich vereinfacht. Bei der Vorführung muß dann eine ähnliche optische Einrichtung vorhanden sein wie bei der Aufnahme. (Die Umschau, 49. Jg., Heft 10, S. 317)



Neue Süßstoffe entdeckt. Durch einen Zufall wurde nun eine vierte Gruppe von Süßstoffen entdeckt, die in sauren Lösungen dem Saccharin geschmacklich überlegen ist. Sie besitzt etwa die 350-fache Süßkraft des Rohrzuckers. Die physiologische Verträglichkeit des neuen Süßstoffes ist nach den bisher vorliegenden Versuchsergebnissen sehr gut. Die chemische Bezeichnung der Grundsubstanz dieser neuen Gruppe von Süßstoffen lautet N-(p-Nitrophenyl)-N'-(carb-oxäthyl)-harnstoff. Für das Natriumsalz dieses neuen Süßstoffs wurde der Name „Suosan“ vorgeschlagen. Dieses Salz besitzt eine tiefgelbe Farbe, gehört also wie Douxan zu den farbstoffähnlichen Süßstoffen. (Orion, 4. Jg., S. 359)

1899

Neunter Saturnmond entdeckt. Ueber den vermeintlichen neuen Saturnmond bringt ein Circular der Harvardsternwarte nähere Angaben. Vier Aufnahmen, die mit dem 24zölligen Bruce-Fernrohr gemacht sind, zeigen in 25' Entfernung vom Saturn ein sehr schwaches Object, das seinen Ort langsam verändert hat... Indessen genügen die wenigen photographischen Oerter nicht, die Trabantennatur außer Zweifel zu stellen, die nur wegen der scheinbaren Nähe des Gestirns beim Saturn angenommen worden ist. (Naturwissenschaftliche Rundschau, 14. Jg., Nr. 19, S. 248)



Eine kürzlich erfundene Kartoffelpflanzmaschine wird größeren landwirtschaftlichen Betrieben vortreffliche Dienste leisten. Auf der hinteren Achse eines wagenartigen Gestells von Eisen wird ein nicht zu kleiner Kasten mit Trichterlöchern befestigt, welcher mittels der Räder fortbewegt wird; er wirft die Kartoffeln in gleichmäßigen Zwischenräumen in die Furche, welche durch den am Fuße des Aufbaus befestigten Pflug gezogen ist. Zwei hinten angebrachte Streich-stücke bedecken die ausgestreuten Knollenfrüchte in der üblichen Weise. Ein Knabe, welcher den Sitz auf der Maschine einnimmt, legt die Kartoffeln in einen vor ihm befindlichen Behälter und läßt sie Stück für Stück in die austeilenden Trichterlöcher fallen... Der Austeilungsapparat ist so eingerichtet, daß er die Kartoffeln in Zwischenräumen von 0,5 Meter auf die Furchenlinien wirft; man kann jedoch diese Entfernung vergrößern oder verringern, indem man Räder von mehr oder weniger großem Durchmesser anlegt. (Das neue Universum, 20. Jg., S. 378)



Anwendung von flüssiger Kohlensäure in der Malerei. Da die Dauerhaftigkeit aller vorhandenen Fresco-Malereien sehr viel zu wünschen übrig liess und namentlich bei Aussenmalereien die Witterung schon nach wenigen Jahren ihr Zerstörungswerk begann, soll die neue Technik des Malers Oskar Matthiesen aus Kopenhagen dies Verwittern und Vergehen unmöglich machen. Das Verfahren besteht darin, dass die allmähliche Härtung des Kalkverputzes – die Verwandlung in kohlensauren Kalk durch Aufsaugung von Kohlensäure aus der Luft – hier durch ein sofortiges Imprägniren mit flüssiger Kohlensäure durch Aufspritzen herbeigeführt wird, so dass bereits zwei bis drei Tage nach Vollendung der Malerei dieselbe jedem Abwaschversuche, dem Regen, ja sogar der Behandlung mit Seife trotzt. (Zeitschrift für die gesammte Kohlensäure-Industrie, V.Jg., Nr. 9, S. 215-216)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 1999, Seite 143
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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