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Vor fünfzig und vor hundert Jahren


1949

Die Atom-Uhr, eine neue Art der Zeitmessung. Das amerikanische National Bureau of Standards des Handels-Departments führte eine „Atom-Uhr“ vor, die „eine radikale Abkehr von allen herkömmlichen Methoden der Zeitmessung bedeutet“. Gegründet auf der Schwingungsfrequenz der Atome eines Ammoniakmoleküls, wird sie aller Erwartung nach jede bisher bekannte Genauigkeit der Zeitmessung übertreffen. ... Der Kristall-Oszillator erzeugt ein Schlagsignal von niederer Radio-Frequenz, das durch die frequenzvervielfachende Kette in ein Mikrowellensignal von sehr hoher Frequenz verwandelt wird, welches dann mit einer natürlichen Schwingungsfrequenz des Ammoniak-Moleküls verglichen wird. Wenn diese beiden Frequenzen verschieden sind, korrigiert ein Fehlersignal den Oszillator. So ist der Oszillator mit dem Ammoniak-Molekül verbunden und kann die elektrische Uhr mit äußerster Genauigkeit kontrollieren. (Kosmos, 45. Jg., Heft 6, Juni 1949, S. 246)



Das Hühnerpestvirus elektronenmikroskopisch sichtbar gemacht. Die atypische Geflügelpest, deren Erreger ein Virus ist, ist eine außerordentlich ansteckende Krankheit, die vornehmlich Hühnervögel befällt; daher nennt man sie oft auch „Hühnerpest“. Die leichte Verschleppbarkeit dieser Seuche, ihr meist überaus stürmischer und tödlich endender Verlauf macht sie zu einer der gefährlichsten Krankheiten der Hühnerbestände. ... Es ist das Verdienst des deutschen Virusforschers Traub, daß wir eine recht wirksame Waffe – den Brutei-Adsorbat-Impfstoff – besitzen und seuchenfreie Bestände rechtzeitig gegen diese Seuche zu immunisieren und dadurch zu schützen vermögen. (Die Umschau, 49. Jg., Heft 12, S. 380)



Magnetisches Moment des Neutrons nachgewiesen. Da Mikrowellen auch auf den Aufbau des Moleküls selbst einwirken und die Anordnung seiner Atome sowie seine Rotation und Oszillation beeinflussen, kann man sie zur Erforschung der Struktur von Molekülen benützen. ... Durch Vergleich der Resonanzfrequenzen zweier oder mehrerer Isotope desselben Stoffes kann man auch Rückschlüsse auf den Kernaufbau ziehen. Magnetische Messungen in Verbindung mit Mikrowellen ergaben die Existenz eines magnetischen Moments des Neutrons, das demnach wahrscheinlich verteilte negative und positive Ladungskomplexe aufweist, die nur nach außenhin neutral wirken. (Orion, 4. Jg., Nr. 11, Juni 1949, S. 436)



Schneefreie Oasen in der Antarktis. Die Durchführung der geplanten internationalen Südpol-Expedition 1949 bis 1952 steht nunmehr fest. ... Die wissenschaftlichen Arbeiten gelten besonders der Erforschung des noch unbetretenen Gebietes, das die Deutsche Schwabenland-Expedition 1938/1939 aus der Luft aufgenommen hat. Dieser Raum ist bisher noch völlig unbetreten und stellt in seinen Randzonen die Forschung vor eine Reihe interessanter Probleme. Die deutschen Luftaufnahmen haben mitten in der Inland-Eiswüste schneefreie Oasen gezeigt. Im Rahmen der neuen Expedition werden die glaziologischen Untersuchungen durch eine schwedische Gelehrtengruppe vorgenommen, während die norwegische Gruppe die Meteorologie und die englische Gruppe die Geologie bearbeitet. (Universitas, Jg. 4, Heft 6, 1949, S.754)

1899

Das angeblich noch lebende Riesenfaulthier von Chile. Der mikroskopische Bau der Hautknöchelchen ergab sich als demjenigen der Hautknöchelchen des fossilen Mylodon völlig gleich. Die 104 mm lange und 34 mm breite Klaue darf als demselben Thiere (Neomylodon, Riesenfaulthier) angehörig betrachtet werden, da es ein andres Thier mit ähnlichen Klauen heute in Südamerika nicht mehr giebt, und scheint dem Hinterfusse desselben angehört zu haben. Man kann auf ein Thier von wenigsten 6 Fuss Länge bei 4 Fuss Schulterhöhe schliessen. Nach sorgfältiger Vergleichung der Fundumstände kommt Dr. Lönnberg zu dem Schlusse, dass Neomylodon ein Zeitgenosse des südamerikanischen Urmenschen war und von diesem verspeist wurde, dass es aber heute nicht mehr am Leben sein könne, da es undenkbar sei, dass ein so grosses Thier den scharfen Augen der Indianer entgehen könnte. (Prometheus, Jg. X, Nr. 504, 1899, S. 574)



Imitierte Dampferreise mit dem Mareorama. Einen Hauptanziehungspunkt der Pariser Weltausstellung von 1900 wird zweifellos Hugo d’Alesis „Mareorama“ bilden. ... Es besteht in der Hauptsache aus der Nachahmung eines grossen Ozeandampfers, der sich im Centrum von zwei Panoramabildern befindet, die sich rechts und links entgegengesetzt der scheinbaren Fahrtrichtung abrollen. Das Schiff ruht auf einer senkrechten Axe und wird durch vier rechtwinklig zu einander angeordnete Kolben so bewegt, dass es die natürliche Schlingerbewegung wie bei einer Hochseefahrt ausführt; im übrigen bleibt dasselbe vollkommen stationär. Durch den künstlichen Wellenschlag des umgebenden Wassers wird der Eindruck einer Seefahrt vollkommen erreicht. (Die Umschau, 3. Jg., Nr. 25, 17. Juni 1899, S. 487)



Jacquard-Patronen auf photographischem Wege erstellt. Jan Szczepanik ist es gelungen, die in der Weberei erforderlichen Patronen, deren Herstellung bisher mittels Handarbeit erfolgte und bei complicirten Geweben, wie Gobelins, oft die Arbeit von Monaten kostete, auf photographischem Wege in 10 bis 20 Minuten anzufertigen und erforderlichenfalls auch zu vervielfältigen. ... So hat Szczpanik auf diesem Wege in einigen Stunden die Patronen zu dem 176 Quadratmtr. großen Bilde angefertigt, das, eine „Huldigung des Kaisers Franz Joseph“ darstellend, auf einem Webstuhl mit 7872 Platinen gewebt und vom Kaiser im Oesterreichischen Museum entgegengenommen wurde. (Illustrirte Zeitung, Band 112, Nr. 2921, Juni 1899, S. 847)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 6 / 1999, Seite 103
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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