Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Porträt: »Ich reduziere Ungewissheit«

Der Brite Karl Friston glaubt, die Arbeitsweise des Gehirns entschlüsselt zu haben. Manche halten ihn deshalb für ein Jahrhundertgenie – andere für egoman.
Karl J. Friston

Montagnachmittag, in einem Büro am University College in London trifft sich die Forschungsgruppe von Karl Friston. Man diskutiert eine geplante Schizophrenie-Studie. Im dunkelblauen Anzug, die Hände vor dem Bauch gefaltet, lauscht Friston den Ausführungen seiner Mitarbeiter. Nur ein gelegentliches Stirnrunzeln verrät, dass es hinter halb geschlossenen Lidern arbeitet. Als die Diskussion verebbt, richtet sich Friston auf. Er lächelt großväterlich in die Runde und sagt: »Jetzt müssen wir uns eine Frage stellen: Könnte alles, was wir über das Thema bislang glaubten, falsch sein?«

Friston gilt als einer der einflussreichsten Neurowissenschaftler unserer Zeit. In den letzten Jahren machte er vor allem mit einer Theorie Furore, die buchstäblich alles erklären soll, was im Gehirn passiert. Das »Prinzip der freien Energie« (englisch: »free energy principle«), das Friston vor gut zehn Jahren erstmals vorstellte, basiert auf zwei Grundannahmen. Erstens: Das Gehirn stellt permanent Prognosen über die Welt auf. Zweitens: Es bedient sich dazu der Regeln der bayesianischen Statistik. Laut Friston lässt sich somit die gesamte Tätigkeit des Gehirns auf ein einziges Ziel reduzieren: Vermeide Überraschungen, so gut es geht …

Kennen Sie schon …

Spektrum Kompakt – Long Covid – Das Leiden nach Corona

Wer eine akute Coviderkrankung übersteht, hat bis zur vollständigen Genesung oft einen langen Weg vor sich. Auch nach milden Verläufen leiden Menschen manchmal noch lange nach der Infektion unter verschiedenen Beschwerden. Die Erforschung dieses komplexen Symptombilds »Long Covid« hat erst begonnen.

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 4/2021: Das Gehirn

Das Gehirn: Unser geheimnisvolles Denkorgan - Rätsel Bewusstsein: Wie wir die Welt erschaffen • Druck oder Strom: Arbeiten unsere Hirnzellen mechanisch? • Hirnimplantate: Hoffnung für Querschnittsgelähmte

Gehirn&Geist – 11/2021

»Gehirn&Geist« berichtet über Alzheimer - Die unterschätzte Rolle des Immunsystems. Außerdem im Heft: Partnerschaft - Was jungen Eltern hilft, Nikotin - Booster fürs Denken?. KI entdeckt das Selbst, frühe Therapie bei Psychosen, Mann sein – was das heute bedeutet.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Friston, K.: The free-energy principle: a unified brain theory? . Nature Reviews Neuroscience 11, 2010

Kirchhoff, M. et al.: The Markov blankets of life: autonomy, active inference and the free energy principle. Journal of the Royal Society Interface 15, 2018

Solms, M., Friston, K.: How and why consciousness arises: Some considerations from physics and physiology. Journal of Consciousness Studies 25, 2018