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Sozialverhalten: Wie wir unter Druck die Nerven behalten

Ob wir nun den entscheidenden Elfmeter auf dem Fußballfeld verschießen oder bei einem wichtigen Vortrag ins Stottern geraten – oft versagen wir gerade dann, wenn besonders viel auf dem Spiel steht. Fähigkeiten, die wir eigentlich beherrschen, sind unter Druck plötzlich wie weggeblasen – ein Phänomen, das Forscher als »choking« bezeichnen.

Einen interessanten Trick, wie sich solche Situationen in Zukunft vermeiden lassen, haben nun Wissenschaftler um Simon Dunne vom California Institute of Technology in Pasadena vorgestellt. Die Forscher ließen ihre Versuchspersonen im Hirnscanner eine Aufgabe erledigen, die einiges an motorischem Geschick und Koordinationsfähigkeit erforderte. Waren die Teilnehmer erfolgreich, winkte ihnen nach und nach immer mehr Geld als Belohnung. Je höher der Betrag ausfiel, desto höher war allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die Probanden plötzlich dem »choking« zum Opfer fielen und nichts mehr ging. Das war aus ähnlichen Untersuchungen bereits bekannt.

Um die Gefahr des »choking« abzumildern, gaben Dunne und seine Kollegen ihren Teilnehmern deshalb in einem zweiten Durchlauf eine neue Strategie an die Hand: Statt ständig daran zu denken, dass sie die Aufgabe meistern müssen, um eine hohe Belohnung zu erhalten, sollten die Probanden sich vorstellen, sie wären bereits im Besitz der hohen Belohnung und würden nun dafür arbeiten, sie auch behalten zu dürfen. Diese umgekehrte Psychologie sorgte dafür, dass die Versuchspersonen im Anschluss tatsächlich weniger oft scheiterten.

Das spiegelte sich im Gehirn in der Aktivität des ventralen Striatums wider, einer Region, die Forscher in früheren Untersuchungen bereits mit dem »choking« in Verbindung gebracht hatten. Zudem offenbarten Messungen der Hautleitfähigkeit, dass die Probanden im zweiten Durchlauf weniger Stress empfanden, wenn sie doch einmal versagten. Offenbar half die neue Herangehensweise, den Druck aus der Situation zu nehmen.

4/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2019

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  • Quelle
Soc. Cogn. Affect. Neurosci. 14, S. 13–22, 2019