Direkt zum Inhalt

Artensterben: Mehr als 70 Prozent weniger Haie seit 1970

Die Coronakrise stoppt viel - aber nicht die Krise der Biodiversität. Eine neue Auswertung zeigt: Das Abschlachten von Haien und Rochen geht fast ungebremst weiter.
Ein Hai blickt skeptisch in die Kamera. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Hai den Fotografen frisst, ist übrigens millionenfach geringer als umgekehrt.

Der Zustand der Haie und Rochen weltweit ist kritisch. Das geht aus einer Analyse einer internationalen Arbeitsgruppe um den Zoologen Nathan Pacoureau von der Simon Fraser University in Canada hervor. Wie das Team in »Nature« berichtet, ist die Zahl der eigentümlichen Fische seit 1970 um durchschnittlich 71 Prozent zurückgegangen – der Hauptgrund ist Überfischung der Haie. Die Fachleute kombinierten 57 Zeitreihen über die Häufigkeiten von 18 ausgewählten Arten mit den Daten aus drei Einschätzungen der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) über die Bedrohung aller 31 Arten von Haien und Rochen und extrapolierten daraus die globalen Populationsrückgänge. Dabei zeigte sich, dass die Mantarochen um über 90 Prozent zurückgegangen sind, während die Verluste bei den Haien breit gestreut sind. Eine Art scheint sogar um 30 Prozent häufiger geworden zu sein.

Geografisch ist das Bild laut den Forschern uneinheitlich. Während sich die Populationen der Haie im Atlantik seit der Jahrtausendwende stabilisierten und der Rückgang im Pazifik nach 1990 zumindest gebremst erscheint, sinken die Populationen im Indischen Ozean kontinuierlich. Dort sind die Verluste mit 85 Prozent am größten; ebenfalls in dieser Größenordnung bewegen sich allerdings die Verluste in den Tropen aller drei Ozeane. Entscheidend für den Rückgang der Haie ist, dass der Druck durch die Fischerei relativ zu den Populationsgrößen inzwischen um den Faktor 18 höher ist.

Dass tatsächlich die Fischerei verantwortlich ist, dafür spricht das Muster des Rückgangs: Zuerst waren die großen Arten betroffen. Als deren Populationen zu gering geworden waren, setzte sich der Trend bei kleineren Arten fort. Insgesamt gelten nun 24 der 31 Arten als vom Aussterben bedroht, der Zustand dreier Arten – Weißspitzen-Hochseehai, Bogenstirn-Hammerhai und Großer Hammerhai – sei sogar kritisch. Regierungen müssten dringend Fangquoten einführen und vor allem durchsetzen, schreiben die Fachleute um Pacoureau, sonst drohe der Kollaps der Haipopulationen.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.