Direkt zum Inhalt

News: Bakterien mit ihren eigenen Feinden schlagen

Die erhöhte Widerstandsfähigkeit von Krankheitskeimen gegen die ehemals tödlichen Antibiotika lässt Forscher verstärkt nach anderen Waffen gegen die Erreger suchen. Fündig wurden sie bei dem natürlichen Feind von Bakterien: den bakterienbefallenden Viren. Um nach explosionsartiger Vermehrung das Bakterium wieder verlassen zu können, bohren die Viren mithilfe eines speziellen Enzyms Löcher in die Bakterienwand und der Wirt zerbricht. Dieses Enzym soll nun Bakterien von außen statt von innen bekämpfen.
Streptococcus pneumoniae ist ein unangenehmer Zeitgenosse, der sich meist in dem Verbindungsstück zwischen der hinteren Nase und dem Hals im so genannten Nasopharynx niederlässt. Von den Schleimhäuten ziehen die Bakterien aus, um Infektionen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündung und bakterielle Meningitis hervorzurufen. Angaben des Centers for Disease Control and Prevention zufolge ist das Bakterium einer der Hauptverantwortlichen für Erkrankungen und Todesfälle bei Kindern, älteren und immungeschwächten Menschen.

Um das pathogene Bakterium aus seiner Lieblingsheimat – den menschlichen Nasen und Hälsen – zu vertreiben, soll nun sein natürlicher Feind zum Zuge kommen. Bakteriophagen, wie die winzigen Viren aufgrund ihrer Vorliebe für Bakterien genannt werden, brauchen diese Wirte, um sich fortpflanzen zu können. Nachdem sie sich an der Bakterienmembran angeheftet haben, transferieren sie ihre Erbinformation ins Bakterium und replizieren sich dort mithilfe des bakteriellen Vervielfältigungsapparates. Um neue Gebiete erobern zu können, müssen sie die dicke Bakterienwand durchdringen. Dies gelingt ihnen mit einem speziellen Enzym, das sie mit ihrem Genom ins Bakterium eingeschleust haben: Es durchlöchert die Barriere.

Jutta Loeffler und ihre Kollegen von der Rockefeller University entdeckten nun, dass dieses Enzym nicht nur von innen heraus die Membran auflöst, sondern auch von außen seine Wirkung entfaltet. Indem die Forscher lediglich wenige Tropfen des Enzyms zu Millionen Bakterien in einem Teströhrchen gaben, überlebte kaum ein Krankheitskeim. Innerhalb von Sekunden herrschte Stille. "Dieses Enzym tötet Pneumokokken auf Schleimhäuten in Sekunden", sagt Loeffler.

Verabreicht werden soll die neue Bakterienwaffe in einem Nasenspray. Direkt auf die von Pneumokokken besiedelten Schleimhäute gesprüht, durchlöchert das Enzym die Bakterien und lässt sie letztendlich in sich zusammenfallen. Im Gegensatz zu Antibiotika kann das Nasenspray keine Resistenzen hervorrufen, und greift auch nur ganz speziell Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae an, statt sich wahllos an allen Bakterien zu vergreifen – ein Problem vieler Antibiotika, bei derem Einsatz auch jedesmal harmlose und nützliche Bakterien vernichtet werden. Einen Nachteil hat der Enzymeinsatz jedoch: Eine schon ausgebrochene Infektion kann er nicht bekämpfen. Und so scheint eine Kombination aus Enzymextrakt und herkömmlichen Antibiotika die beste Therapie zu sein.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte