Direkt zum Inhalt

News: Das schwere Los von Herz und Hirn

Mit der zunehmenden Lebenserwartung tritt ein gesellschaftliches Schreckgespenst immer mehr in den Vordergrund: In 20 Jahren werden in Deutschland voraussichtlich zwei Millionen Menschen von dem hirnorganischen Leiden betroffen sein - wenn die Forschung bis dahin keine Lösungsvorschläge anbieten kann. Auf dem ersten Welt-Alzheimer-Kongress, der vom 09.07.-18.07.2000 in Washington stattfindet, präsentierten Wissenschaftler eine überraschende Erklärung für das Entstehen des Leidens: ein genetisch bedingtes Überangebot an Cholesterin.
"Essen Sie viel Obst und Gemüse und üben sie Körper und Geist", empfiehlt der Neurologe Robert Friedland von der Universitätsklinik Cleveland. Schützend wirkten auch zusätzliche Einnahmen von Antioxidantien wie Vitamin E und die B-Vitamine, der Verzicht auf Tabak sowie eine fettarme Ernährung. Was auf den ersten Blick wie ein Aktionsplan gegen Arteriosklerose und Herzinfarkt klingt, soll nach Meinung des Experten aber auch das bislang einzige Mittel gegen die Alzheimer-Erkrankung sein.

Der Grund: Bei über 50 Prozent der Alzheimer-Patienten entdeckten Wissenschaftler eine bestimmte Variante des Apolipoproteins E, das den Fett- und Cholesterintransport im Blut reguliert: Patienten, die das so genannte Apo E4 tragen, neigen verstärkt zu hohem Blutdruck, Arteriosklerose und Alzheimer. "Wir fanden bei der Suche nach den gemeinsamen Mechanismen beider Leiden heraus, dass große Cholesterinmengen die Produktion von Amyloid im Gehirn stimulieren", erklärt Rudolph Tanzi, Alzheimer-Spezialist von der Harvard Medical School. Die Substanz bildet Plaques um die Nervenzellen und ist ein charakteristisches Merkmal der Alzheimer-Erkrankung. Der Forscher vermutet, dass das Amyloid zellschädigende freie Radikale abfangen soll, die bei hohen Cholesterolmengen zahlreich gebildet werden.

Damit stellt die gewagte Theorie einen direkten Zusammenhang zwischen der Entstehung von Herzkrankheit und Alzheimer her und erklärt auch Beobachtungen Friedlands zum Essverhalten von Alzheimer-Patienten und Gesunden: "Besonders auffällig war das sechsfach höhere Risiko von Apo E4-Trägern für Alzheimer bei sehr fettreicher Ernährung." Der Wissenschaftler betont, dass das Essverhalten der Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren über die spätere Erkrankung entschied. Grund dafür ist die dann bereits einsetzende Plaque-Entstehung im Gehirn, die erst Jahrzehnte später Alzheimer-Symptome hervorruft.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte