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News: Das Wetter steht in den Sternen

Weltweit steigen die Temperaturen, und das ist nach gängiger Lehrmeinung insbesondere die Folge zunehmender Treibhausgase in der Atmosphäre. Doch es könnte auch sein, dass die Kohlendioxidkonzentrationen ansteigen, gerade weil es warm wird. Und das wiederum hätte dann kosmische Gründe.
Spiralgalaxie
Seit Beginn der Industrialisierung steigen in der Atmosphäre die Konzentrationen des Treibhausgases Kohlendioxid - und mit ihnen die globalen Temperaturen. Der Verdacht liegt also nahe, der Mensch sei Schuld am Klimawandel, obschon der Beweis, letzteres sei durch ersteres bedingt, bislang nicht geführt ist. Es bleibt also Raum für Theorien, wie die von Nir Shaviv von der Hebrew University of Jerusalem und Ján Veizer von der Universität Bochum. Die Forscher vermuten nämlich, dass die erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen nicht Auslöser, sondern Folge der Erwärmung sind und alles zusammen kosmische Ursachen hat.

Die Idee ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen einem Geowissenschaftler (Veizer) und einem Astrophysiker (Shaviv), der festgestellt hatte, dass die kosmische Strahlung in den vergangenen 600 Millionen Jahren einem regelmäßigen Auf und Ab folgte. Veizer verglich diese Zyklen daraufhin mit den in einer Vielzahl von Sedimenten überlieferten Klimaarchiven und stellte fest, das sich die Erde mit einem ganz ähnlichen Rhythmus alle 140 Millionen Jahre abkühlte und wieder erwärmte.

Nun sind gleichsinnige Trends aber nur eine Sache, der Zusammenhang hingegen eine andere. Oder: Was hat die kosmische Strahlung mit den langfristigen Klimabedingungen auf der Erde zu tun? Den Schlüssel dafür fanden die Forscher in der Literatur, wo Kollegen von Experimenten zur Wolkenbildung berichteten und festgestellt hatten, dass die Strahlen aus dem All bei ihrem Auftreffen in der Atmosphäre offenbar Kondensationskeime bilden können, aus denen schließlich Wolken heranwachsen können.

Diese Wolken wiederum würden die Sonnenstrahlen reflektieren, bevor sie die Erdoberfläche erreichen, und führten also zur Abkühlung der Erde. Kurzum: In Zeiten hoher kosmischer Strahlung müsste es viele Wolken geben, was ergo die Temperaturen absinken ließe.

So weit, so gut, was bleibt ist die Frage nach dem Warum für das kosmische Strahlungs-Auf-und-Ab. Die Sonne scheidet jedenfalls aus, von ihr ist nur ein elfjähriger Zyklus bekannt, dessen Folgen zudem zu schwach sind, um nachhaltig auf unser Klima zu wirken.

Es gilt also, noch weiter ins All zu schauen, schließlich ist unser ganzes Sonnensystem nur eines von rund 200 Milliarden, die um das Zentrum der Milchstraße kreisen. Mit 240 Kilometern pro Sekunde rasen wir so durchs All und passieren ungefähr alle 150 Millionen Jahre einen der spiralförmigen Arme unserer Galaxis, wo die Zahl junger und strahlungsintensiver Sterne besonders hoch ist. In deren Nähe, so die Forscher, sei die Strahlenbelastung groß genug, um die Erde zu bewölken und abzukühlen.

Und da niedrige Temperaturen auch die Bioproduktivität hemmen und insbesondere Bodenorganismen in der Kühle weniger Kohlendioxid produzieren, würden auch die Konzentrationen des Treibhausgases absinken. Umgekehrt führte eine neuerliche Erwärmung zu verstärkter Produktivität und somit auch zur Bildung von Kohlendioxid, welches - das bestreiten die Forscher nicht - dem Treibhaus Erde zusätzlich einheizt. Bis zur Abkühlung werden jedenfalls noch zig Millionen Jahre vergehen. Denn derzeit tummeln wir uns in einer ziemlich dünn besiedelten Region der Milchstraße, sind dementsprechend geringer kosmischer Strahlung ausgesetzt - und erwärmen uns.

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