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News: Den Ozeanrücken abgehorcht

Es liegen noch einige Geheimnisse auf dem Grunde des Ozeans vergraben. Doch manchmal lassen sie sich "einfach" belauschen.
Erdbeben haben manchmal durchaus positive Nebeneffekte. So stellen sie oft die einzige Möglichkeit dar, die Natur der Plattentektonik genauer zu untersuchen. Insbesondere, wenn sich die Aktivitäten in den Tiefen der Ozeane abspielen - so wie bei Hess Deep, einem tiefen Graben westlich von Galapagos, wo die pazifische, die Nazca- und Cocos-Platte auseinander driften.

Aber die Erdbeben, die Hess Deep erschüttern, sind so schwach, dass sie noch unter der Wahrnehmungsgrenze der Messstationen liegen, die weltweit Erdbeben überwachen. Diese können aus größerer Entfernung "nur" Erdbeben mit Magnituden von über 4,5 nachweisen.

Doch jetzt ist es Jacqueline Floyd und ihren Kollegen von der Columbia University gelungen, das unterirdische Rumoren, das die Erdbeben akustisch begleitet, zu belauschen. Sie kamen damit dem Geheimnis auf die Spur, wie die Spalten der mittelozeanischen Rücken wandern, an denen ständig neue Erdkruste entsteht.

So ließ sich anhand von Erdbeben die Fortbewegung dieser Tiefseespalte - sie legt immerhin 6,5 Zentimeter pro Jahr zurück - beispielhaft studieren. "Frühere Untersuchungen haben mittelozeanische Rücken als perfekte Risse in der ozeanischen Kruste beschrieben", erklärt Floyd. "Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass die seismische Aktivität und die Kristallstruktur an der Spitze der Spalte viel komplexer sind."

Die schwachen Erdbeben deuten darauf hin, dass die Stellen, wo die ozeanische Erdkruste aufreißt, sehr dehnbar sind. Und wenn sich ein solcher Riss fortbewegt, dann spreizt die Spalte den Boden nicht einfach weiter auseinander. Vielmehr scheint zunächst eine so genannte Prozesszone zu entstehen, wie sie schon im Labor beobachtet wurde.

In dieser Zone bilden sich dann zunächst Mikrorisse, bevor sich die Erdkruste komplett öffnet. Und da die Energie mit der Länge und der Größe der Prozesszone ansteigt, kann sich der Riss stabil und ohne großen Widerstand seinen Weg durch die spröde Erdkruste bahnen.

Für die Geologen und Geophysiker ist dieses Ergebnis eine große Überraschung. Sie haben sich die Wanderung eines mittelozeanischen Rückens sehr viel beschwerlicher vorgestellt.

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