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Beobachtungstipps für Amateurastronomen: Kugelsternhaufen, eine Galaxie und ein Asterismus

In der zweiten Monatshälfte wird die Nacht durch den Vollmond um den 24. Oktober hell erleuchtet. Die Aussicht auf schwach leuchtende Nebel und ferne Galaxien ist uns daher leider versperrt – aber es lassen sich viele andere interessante Objekte gut beobachten.
Andromedagalaxie
An dieser Stelle möchten wir Ihnen im Abstand von rund zwei Wochen aktuelle Beobachtungstipps bieten. Es geht vor allem um Objekte, die sich mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop beobachten lassen. Sie eignen sich somit besonders für Einsteiger in das Thema Himmelsbeobachtung.

Am Abend des 18. Oktober liefern Mond und Mars eine schöne Vorstellung: Die beiden Himmelskörper nähern sich am Nachmittag bis auf etwa ein Grad Winkelabstand an und gehen kurz danach zusammen im Südosten auf. Der Mond ist dabei schon ein wenig mehr als zur Hälfte beleuchtet. Der Mars strahlt zurzeit noch sehr hell. Ihre gemeinsame Reise über den Nachthimmel ist ein spektakuläres Fotomotiv.

Konjunktion von Mars und Mond
Konjunktion von Mars und Mond am 18. Oktober 2018 | Mars und Mond gehen schon am Nachmittag des 18. Oktober 2018 gemeinsam auf. Das Paar ist die ganze Nacht über zu sehen.

Derzeit zeigt sich ein neuer interessanter Komet am Himmel: Der Schweifstern mit dem Namen 38P/Stephan-Oterma ist gerade im Sternbild Zwillinge unterwegs. Er nähert sich der Sonne an, bis er am 11. November sein Perihel mit nur rund 1,6 Astronomischen Einheiten (AE) erreicht. Eine Astronomische Einheit ist die mittlere Strecke Erde – Sonne, rund 150 Millionen Kilometer. Die größte Helligkeit des Kometen wird für Mitte Dezember erwartet, wenn die Erde seine Bahn kreuzt und der kürzeste Abstand zu uns erreicht ist. Mit einer Helligkeit von 9,8 mag ist 38P kein sehr spektakulärer Komet und nur im Teleskop sichtbar.

Pfad von 38P/Stephan-Oterma am Himmel für den Rest des Jahres
Pfad von 38P/Stephan-Oterma am Himmel für den Rest des Jahres | Der Komet 38P/Stephan-Oterma kommt der Sonne nur etwa so nahe wie der Mars. Daher wird der Helligkeitsanstieg im Perihel wahrscheinlich nicht besonders hoch sein. Die Helligkeitsangabe im Bild ist eine Modellrechnung und fällt viel zu hoch aus.

In klaren Nächten lassen sich trotz des hellen Licht des Mondes viele Himmelsobjekte beobachten: Der Herbst hat Einzug gehalten, und das Pegasus-Quadrat, auch Herbstviereck genannt, steht schon früh am Abend hoch am Himmel. Ein besonderes Highlight in der Nähe ist die Andromeda-Galaxie Messier 31. Besonders mit dem Fernglas lässt sie sich sehr gut beobachten – allerdings ist für die schwächeren äußeren Bereiche unserer Nachbargalaxie ein möglichst dunkler Himmel nötig. Die Andromeda-Galaxie lässt sich leicht finden: Man beginnt am linken Stern des Pegasus-Quadrats (Sirrah) und hangelt sich an der Sternenkette der Andromeda zwei Sterne weiter nach links, beziehungsweise Norden. Am Stern Mirach angekommen, biegt man nach oben ab und trifft zwei Sterne weiter auf die große Spiralgalaxie. Dieses Star-Hopping genannte Verfahren hat sich unter Amateurastronomen schon lange etabliert.

Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Oktober empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik »Aktuelles am Himmel«, die in jedem Heft von »Sterne und Weltraum« erscheint.

Noch ein kleines Stück weiter Richtung Norden liegt das markante Sternbild Kassiopeia, auch als Himmels-W bezeichnet. Zwischen Kassiopeia und dem Perseus darunter befindet sich der offene Doppelsternhaufen h&chi im Perseus. Der Sternhaufen ist ebenfalls sehr ausgedehnt und ein tolles Fernglasobjekt.

Übersichtskarte Pegasus, Andromeda, Kassiopeia und Perseus
Übersichtskarte Pegasus, Andromeda, Kassiopeia und Perseus | Die Herbststernbilder haben den Himmel im Oktober fest im Griff und bieten einige interessante Beobachtungsobjekte.

Im Westen sind am Abend noch die Sommersternbilder zu sehen. Ein besonders schöner Asterismus verbirgt sich dort zwischen Albireo im Schwan und dem kleinen Sternbild Pfeil daneben. Collinder 399 ist besser unter dem Namen Kleiderbügel bekannt. Die einzelnen Sterne in dem Haufen stehen jedoch für sich und haben keinen physischen Bezug zueinander – es ist also kein offener Sternhaufen. Man kann den Kleiderbügel am besten mit einem Fernglas sehen. Teleskope haben meist eine zu hohe Vergrößerung, so dass der ganze Aha-Effekt verschwindet.

Collinder 399
Collinder 399 | Der Kleiderbügelhaufen ist der bekannteste Asterismus am Nachthimmel und wunderschön im Fernglas zu sehen. Bei zu hohen Vergrößerungen geht der Effekt leider verloren. Das Bild nahm Herbert Walter in Inzersdorf im österreichischen Kremstal auf.

Ein Stück weiter in Richtung Westen liegt das Sternbild Herkules. Es ist nur noch am Anfang der Nacht gut zu sehen und geht dann rasch im Westen unter. Im Herkules finden sich mit Messier 13 und dem etwas schwächeren Messier 92 zwei helle Kugelsternhaufen. Ab einem Teleskopdurchmesser von etwa 20 Zentimetern lassen sich die Haufen in Einzelsterne auflösen. In kleineren Instrumenten sehen sie aus wie kompakte Wattebäuschchen. Messier 13 ist sogar mit dem Fernglas zu beobachten. Leider ist der Anblick bei sehr kleinen Vergrößerungen bei Weitem nicht so spektakulär.

Aufsuchkarte des Sternbilds Herkules
Aufsuchkarte des Sternbilds Herkules | Der Kugelsternhaufen Messier 13 im Herkules ist das bekannteste Objekt seiner Art in der nördlichen Hemisphäre. In diesem Sternbild befindet sich aber auch der etwas kleinere Messier 92, der seinem großen Vetter in Brillanz und Ästhetik kaum nachsteht.

Die Planeten des Sonnensystems sind natürlich auch noch zu bestaunen. Bei einem freien Blick Richtung Süden lässt sich Saturn noch die ganze erste Nachthälfte im Schützen beobachten. In der zweiten Nachthälfte stehen dann Uranus und Neptun günstig in den Herbststernbildern Wassermann und Fische. Die ganze Nacht über ist außerdem der helle Mars nicht zu übersehen. Er ist nach dem Mond zurzeit eines der hellsten Objekte am Nachthimmel. Heller sind nur noch Venus und Jupiter. Die beiden Planeten sind allerdings im Moment schlecht zu beobachten.

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