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News: Die Sehnsucht nach Mutters Rockzipfel

Auch wenn sie es nicht gerne zugeben: Männer sind von der Meinung anderer abhängiger als Frauen.
Das behauptet zumindest Robert F. Bornstein, Professor für Psychologie am Gettysburg College. Er widerspricht damit dem stereotypen Bild vom abhängigen weiblichen Selbstbewußtsein. „Nach meinen Untersuchungen haben Männer stärkere unterschwellige Bedürfnisse aus Abhängigkeit als Frauen”, sagt Bornstein.

Er analysierte Studien zu diesem Thema, die seit 1950 durchgeführt wurden, und führte weitere Tests durch: Die Probanden sollten Fragebögen zu ihrer Persönlichkeit ausfüllen und wurden gebeten, verschiedene Reize zu interpretieren, so zum Beispiel Zeichnungen oder Tintenkleckse. Die Auswertung ergab, daß Frauen zwar in ihren Selbstauskünften höhere Werte auf einer Abhängigkeitsskala erreichten, die Männer jedoch bei der indirekten Überprüfung auf mehr Punkte kamen. „Es sieht so aus, als drückten Männer ihre Abhängigkeit eher indirekt und versteckter als Frauen aus”, meint Bornstein. „Anscheinend können Männer ihre Abhängigkeitsgefühle in projektiven Test nicht verbergen, aber sie geben sie nicht offen zu.”

Er merkt an, daß Forscher in den letzten Jahrzehnten einen engen Zusammenhang gefunden haben zwischen der Abhängigkeit von anderen Personen und einem zunehmenden Risiko, an verschiedenen Formen von psychischen und physischen Leiden zu erkranken. In Sozialgefügen wird Abhängigkeit mit Kooperationsbereitschaft und Unterwürfigkeit assoziiert. „Zusammengenommen deuten die Ergebnisse dieser Studie darauf hin, daß abhängige Personen bei anderen Leuten nach Anleitung, Schutz und Hilfe suchen. Sie werden ängstlich und niedergeschlagen oder sogar physisch krank, wenn für sie wichtige Beziehungen bedroht oder sogar zerstört werden.”

Bornstein vermutet, daß die gesellschaftliche Rollenverteilung zum Teil dafür verantwortlich ist, ob Männer und Frauen bereit sind, ihre Abhängigkeit vor sich selbst und in Tests zuzugeben.

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