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News: Ein Irrläufer in der Pendeluhr

Der Stern Iota Horologii im südlichen Sternbild Pendeluhr stammt eigentlich aus den Hyaden, einem offenen Sternhaufen im Stier.
Iota Horologii, eine gelb-orange leuchtende Sonne in rund 56 Lichtjahren Entfernung von der Erde, ist weit weg von zu Hause. Ein Astronomenteam um Sylvie Vauclair von der Universität Toulouse in Frankreich fand heraus, dass der Stern ursprünglich aus dem so genannten Hyadenstrom stammt. Diese Assoziation, zu der auch der offene Sternhaufen Krippe im Sternbild Krebs gehört, ist bereits mit dem bloßen Auge zu erkennen und erscheint v-förmig nahe Aldebaran, dem Hauptstern des Stiers. Alle Mitglieder des Hyadenstroms entstanden aus demselben Urnebel, bewegen sich in die gleiche Richtung und weisen eine hohe Konzentration an schwereren Elementen auf. Die Hyaden sind rund 151 Lichtjahre von uns entfernt.

Die Entdeckung gelang durch asteroseismologische Analysen mit dem 3,6-Meter-Teleskop der europäischen Südsternwarte ESO auf dem Berg La Silla in Chile. Ähnlich wie Geologen durch Erdbebenwellen auf den inneren Aufbau der Erde schließen können, verraten Schallwellen, die sich durch einen Stern bewegen, etwas über dessen Eigenschaften. Die Forscher nutzten für ihre Untersuchungen im November 2006 während acht Nächten hintereinander den High Accuracy Radial Velocity Planet Searcher (HARPS), ein Instrument, das zum Aufspüren von Exoplaneten entwickelt wurde.

Schon frühere Beobachtungen zeigten, dass Iota Horologii mit einer Periode von 320 Tagen von einem Planeten umkreist wird, der mehr als die zweifache Masse von Jupiter besitzt. Aber bislang waren die Informationen zum Mutterstern recht lückenhaft. Mit HARPS bestimmten die Astronomen nun die Temperatur des Gestirns auf 6150 Grad Kelvin, sein Alter auf rund 625 Millionen Jahre und seine Masse auf 1,25 Sonnenmassen. Zudem ist er sehr reich an schwereren Elementen. „Seine chemische Zusammensetzung, sein Alter und die Bewegungsrichtung sind praktisch identisch mit den Sternen im Hyadenstrom“, sagte Vauclair. „Das kann nicht nur ein Zufall sein“, so die Expertin. Der Stern besitzt eine scheinbare Helligkeit von 5,4 Magnituden.

Iota Horologii ist mittlerweile mehr als 130 Lichtjahre von seinem Geburtsort weggedriftet. In der Milchstraße sind auch Sterne mit wesentlich größerer Geschwindigkeit bekannt, so genannte Schnellläufer. Das sind Sterne, die eine überdurchschnittlich hohe Eigenbewegung aufweisen. Zu dieser Kategorie gehören unter anderem auch Barnards Pfeilstern im Sternbild Schlangenträger und 61 Cygni im Schwan. Noch größere Geschwindigkeiten zeigen die Hyperschnellläufer (englisch: Hyper-Velocity Stars, HVS), die derart schnell sind, dass sie sogar der Anziehungskraft unseres Milchstraßensystems oder dessen Begleitern entkommen können. Es sind erst zehn HVS bekannt. Einer von ihnen ist der rund dreißig Millionen Jahre junge Stern HE 0437-5439. Spektroskopische Analysen bewiesen, dass er nicht aus dem Milchstraßensystem, sondern aus der Großen Magellanschen Wolke stammt. Seine Geschwindigkeit beträgt rund 2,6 Millionen Kilometer pro Stunde.

MS

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