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News: Ein schöner Ring

Wenn Einsteins Modell zur Gravitation stimmt, dann sollten extrem massige Objekte im Weltall wie Linsen wirken und den Weg des Lichtes von anderen Himmelskörpern beeinflussen. Unter besonders günstigen Umständen wäre eine punktförmige Lichtquelle als ein vollständiger Ring zu sehen. Genau solch einen "Einstein-Ring" hat das Hubble-Teleskop vor kurzem fotografiert.
Die Existenz des sogenannten "Einstein-Rings" folgt aus der Allgemeinen Relativitätstheorie, die Albert Einstein vor über 60 Jahren aufgestellt hat. Doch erst mit dem Hubble Space Telescope wurde dieses Phänomen zum ersten Mal beobachtet.

Der Effekt wurde durch die Gravitation einer massereichen Galaxie verursacht, die als "Gravitationslinse" wirkte und das Licht des dahinterliegenden Objektes umlenkte. In dem seltenen Fall, daß die entfernte Lichtquelle, die "Linse" und der Beobachter sich auf einer Geraden befinden, entsteht ein "Einstein-Ring". Bei einer abweichenden Anordnung erscheinen dagegen mehrere verzerrte Abbildungen des Objekts.

Ian Browne von der University of Manchester war zunächst skeptisch: "Auf den ersten Blick sieht es künstlich aus, und wir dachten, es wäre eine Art Bildfehler. Aber dann wurde uns klar, daß wir wirklich einen perfekten Einstein-Ring betrachteten."

Die Erscheinung nimmt nur wenig Raum am Himmel ein – etwa eine Bogensekunde, so viel wie ein Pfennigstück aus drei Kilometern Entfernung betrachtet –, auch wenn die Linse aus einer ganzen Galaxie besteht. Von der Erde aus ist der Ring wegen der atmosphärischen Unruhe mit optischen Teleskopen nicht zu erkennen.

Ein britisches Astronomenteam entdeckte ihn mit MERLIN. Dabei handelt es sich um eine Anordnung von sechs Radioteleskopen, die sich verteilt in England befinden und wie ein einziges Teleskop mit über 200 Kilometern Durchmesser wirken. Sie werden vom Jodrell Bank Observatory der University of Manchester gesteuert. MERLINs Auflösungsvermögen ist so groß wie das des Hubble-Teleskops, doch messen die beiden bei völlig verschiedenen Wellenlängen, so daß sie sich gut ergänzen.

Ironischerweise läßt sich durch Zählen der Gravitationslinsen – bisher wurden über 20 gefunden – feststellen, ob Einsteins "größter Fehler" wirklich ein Fehler war. Er mußte in seine Allgemeine Relativitätstheorie nämlich die kosmologische Konstante einbauen, welche eine abstoßende Kraft zwischen Körpern beschreibt, um sie der gravitatorischen Anziehung über große Entfernungen entgegenzusetzen. Diese neue Kraft wurde schon bald von anderen Astronomen verworfen, doch mittlerweile glauben viele Wissenschaftler, daß Einstein damit vielleicht doch recht hatte. Warten wir ab, was die Gravitationslinsen dazu berichten werden.

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