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News: Ein schützender Schaden

Thalassämie ist eine genetische Schädigung des Hämoglobins im Blut. Eine spezielle Form dieser Krankheit tritt vor allem in Malaria-Gebieten auf. Die Ursache für die verstärkte Verbreitung in diesen Regionen scheint darin zu liegen, daß die Schädigung gleichzeitig als Schutz gegen die meisten Arten der Malaria dient. Neue Untersuchungen zeigen, daß von Thalassämie betroffene Kinder auch gegen andere Infektionen weniger anfällig sind.
Die Funktion von normalen menschlichen roten Blutkörperchen besteht im Sauerstofftransport von der Lunge zu den anderen Organen des Körpers. Jedes rote Blotkörperchen enthält Millionen Moleküle von Hämoglobin, dem sauerstofftransportierenden Protein. Es besteht aus einem eisenhaltigen Häm-Molekül sowie aus zwei Paaren von Proteinketten – dem alpha- und dem beta-Globin. Bei der alpha+-Thalassämie sind bestimmte Gene nicht vorhanden, welche die Synthese der alpha-Globin-Ketten steuern. Jedes Elternteil vererbt ein Gen an das Kind. Ist nur eines der beiden verantwortlichen Gene nicht vorhanden, sind noch keine Symptome feststellbar. Falls beide Gene fehlen, kommt es bei den Betroffenen zu Krankheitssymptomen in Form von leichter Anämie.

Es ist bekannt, daß eine Erkrankung an Thalassämie gleichzeitig bis zu einem gewissen Grad gegen Malaria schützt. Aus diesem Grunde stellt eine solche Schädigung in Malaria-Gebieten sogar einen positiven Selektionsfaktor dar, der entsprechend an die Nachkommen weitergegeben wird.

In zwei Studien wurde nachgewiesen, daß an alpha-Thalassämie leidende Kinder anfälliger für leichte Formen von Malaria sind. Dadurch sind sie wahrscheinlich in ihrem weiteren Leben stärker gegen die Infektion mit schwerwiegenderen Malaria-Arten geschützt. S. J. Allen von der University of Oxford und seine Kollegen vom Papua New Guinea Institute of Medical Research führten nun eine größere Studie in einem Krankenhaus an der Nordküste von Papua-Neuguinea durch (Proceedings of the National Academy of Sciences, Ausgabe vom 23. Dezember 1997). In dieser Region sind mehr als 90 Prozent der Bevölkerung von alpha-Thalassämie betroffen.

Die Ergebnisse der Studie bestätigten die vorherrschende Theorie: Nicht an alpha-Thalassämie leidende Kindern erkrankten etwa 1,5mal so häufig an schwerer Malaria wie Kinder, bei denen nur eines der alpha-Globin-Gene vorhanden war, und 2,5mal so häufig wie Betroffene, denen beide alpha-Globin-Gene fehlten.

Die Untersuchung zeigte aber noch ein weiteres, unerwartetes Resultat. Nicht nur die Anfälligkeit gegen Malaria geht durch alpha-Thalassämie zurück, sondern auch die Empfindlichkeit gegen Infektionen mit anderen gewöhnlichen Kinderkrankheiten. Beispiele sind Magen-Darm-Entzündungen, Atemwegserkrankungen und Hirnhautentzündungen. Worauf der Schutz beruht, ist bisher noch nicht klar. Die Wissenschaftler vermuten, daß durch die alpha-Thalassämie vielleicht bestimmte Teile des Immunsystems stärker aktiv sind als bei gesunden Kindern. Tatsächlich scheint die Erkrankung einen wichtigen Faktor bei der Überlebensrate von Kindern in Papua-Neuguinea darzustellen.

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