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News: Eine neue Klasse kühler Sterne

Astronomen haben ein Jahrhunderte altes System zur Katalogisierung von Sternen überarbeitet, um eine neue Klasse von Himmelsobjekten einzufügen, die so kühl sind, daß sie kaum sichtbares Licht abstrahlen. Bisher wurden erst 20 dieser winzigen Sterne entdeckt, doch könnten es sich nach Ansicht der Wissenschaftler um den verbreitesten Sternentyp in der Milchstraße handeln.
Die Entdeckung der sogenannten L-Zwerge wurde am 9. Juni 1998 auf dem Treffen der American Astronomical Society präsentiert. Vielleicht verdienen die kosmischen Wichte aber gar nicht die Bezeichnung "Stern", denn einige von ihnen fusionieren keinen Wasserstoff in ihrem Kern.

Die klassische Methode, Sterne nach Temperatur und Farbe einzuordnen, geht auf das Jahr 1890 zurück. Von den heißesten zu den kühlsten erhält jeder Stern einen der folgenden Buchstaben: O, B, A, F, G, K, und M (leichter zu behalten mit dem Merkspruch: Oh, Be A Fine Girl, Kiss Me.). So sind O-Sterne zum Beispiel glühend heiße blaue Riesen, die schnell verbrennen, während M-Sterne klein und rot sind, schwach leuchten und lange leben. Den Astronomen sind zudem einige verschwommen erscheinende Braune Zwerge bekannt, die keine Kernfusion in ihrem Innern zünden konnten und daher nicht zu echten Sternen wurden. Ihre Masse entspricht weniger als 7,5 Prozent der Sonnenmasse. Wegen der geringen Anzahl der Braunen Zwerge konnten diese noch nicht im Detail untersucht werden.

Das änderte sich jedoch mit den Ergebnissen des 2 Micron All Sky Survey (2MASS), bei dem 1,3-Meter-Teleskope in Arizona und Chile benutzt wurden, mit denen der Himmel im Bereich infraroter Strahlung abgesucht wird. Dabei wurden 20 nahe Objekte mit Temperaturen von zwischen 1200 und 1700 Grad Celsius gefunden. Sie sind damit kühler als M-Sterne und erreichen nur die Temperatur von glühender Kohle. Spektren der Zwerge, die vom 10-Meter-Keck II-Teleskop in Hawaii eingefangen wurden, ließen erkennen, daß sechs der Zwerge Lithium enthielten – ein Element, das verschwindet, wenn ein Stern groß genug ist, um die Kernfusion zu zünden. "Diese sechs Objekte sind ganz klar Braune Zwerge", sagt J. Davy Kirkpatrick vom California Institute of Technology in Pasadena. Dennoch glaubt er, daß andere L-Zwerge zwar schwach leuchtende, aber trotzdem echte Sterne sind, falls sie massereich genug sind, um in ihrem Zentrum die Fusion zu starten. Kirkpatricks Team hofft, diese Annahme durch den Fund eines Zwergs zu bestätigen, der einen anderen Stern umkreist, wodurch seine genaue Masse erkennbar würde.

Da 2MASS so viele L-Zwerge in einem kleinen Rauminhalt entdeckt hat, nimmt Kirkpatrick an, daß sie zumindest die Hälfte aller stellaren Objekte in unserer Galaxis ausmachen könnten.

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