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Entfernungsrekord: Quasar aus der frühesten Kindheit des Universums entdeckt

Mit ihren Jets wirbelten die ältesten Quasare vielleicht das Gas um sie herum durch. Das könnte erklären, wie sie in so kurzer Zeit zu solchen Dimensionen heranwachsen konnten.
Der Quasar P172+18 in einer künstlerischen DarstellungLaden...

Im frühen Universum bildeten sich schnell gewaltige Schwarze Löcher im Zentrum der entstehenden Galaxien, die sich heute als Quasare beobachten lassen – auf Grund ihrer großen Distanz zu uns wirken die extrem leuchtkräftigen Objekte in irdischen Teleskopen wie Sterne: »Quasar« ist ein Kurzwort für »quasistellar«. Ein Teil der Quasare leuchtet allerdings nicht nur im sichtbaren Licht, sondern sendet zudem starke Radiostrahlung aus. Sie entsteht, weil diese radiolauten Quasare einen Teil des Gases aus ihrer Umgebung in Form zweier langer Jets wieder in den intergalaktischen Raum blasen.

Den am weitesten entfernten Quasar dieser Art haben nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Eduardo Bañados vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie entdeckt. Er stammt aus einer Zeit vor 13 Milliarden Jahren, als das Universum gerade erst 780 Millionen Jahre alt war, und trägt die Bezeichnung P172+18.

Zwar kenne man bereits Quasare, die noch älter und damit noch weiter entfernt sind, aber bei keinem davon habe man bislang Radiostrahlung gefunden, schreibt das Team im Fachmagazin »The Astrophysical Journal«.

Der innere Teil des Jets von P172+18Laden...
Der innere Teil des Jets von P172+18 | Die Aufnahme mit dem Radioteleskop Very Long Baseline Array zeigt einen Teil eines der beiden Jets des Quasars.

Im vergleichsweise kurzen Zeitraum seiner Existenz wuchs P172+18 auf das rund 300-Millionenfache der Masse unserer Sonne an. Wie dieser und andere Quasare der gleichen Zeit so schnell an Masse zulegen konnten, stellt Astronomen vor ein Rätsel. Womöglich spielen dabei die Jets eine Rolle, indem sie das Gas in der Umgebung der Schwarzen Löcher verwirbeln. Das neu entdeckte Schwarze Loch zeigt eine der höchsten Wachstumsraten, die man je gemessen habe, sagen die Forscher. Die Jets beeinflussten die weitere Entwicklung des Universums auch dadurch, dass sie Atome und Magnetfelder in den ursprünglich komplett leeren Raum zwischen den Galaxien schleuderten, erklärt Koautor Chris Carilli vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in einer Pressemitteilung zur aktuellen Studie.

Entdeckt wurde P172+18 bereits im Jahr 2015, damals jedoch nur im sichtbaren Licht. Messungen mit Radioteleskopen aus dem Jahr 2019 zeigten schließlich an der gleichen Stelle ein Objekt, das auch Radiostrahlung aussendet. Bañados und seine Kollegin Chiara Mazzucchelli von der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile analysierten den Quasar anschließend mit diversen weiteren Instrumenten, um seine Entfernung und Masse zu bestimmen. Sie seien zuversichtlich, künftig sogar noch weiter entfernte Quasare zu entdecken.

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