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News: Erfolg bei der Transplantation von Leberzellen

Eine Infusion von Leberzellen kann für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr eine seltene Stoffwechselerkrankung der Leber kompensieren. Nach Meinung von Wissenschaftlern, die eine solche Infusion durchführten, könnte eine Zelltransplantation weitere Anwendungsgebiete finden und für einige Patienten eine weniger aggressive Behandlungmethode darstellen als eine Lebertransplantation.
Die Infusion von Leberzellen wurde von Ira Fox vom University of Pittsburgh Medical Center und Kollegen vom Albert Einstein College of Medicine in New York durchgeführt. Ihre Patientin war ein zehnjähriges Mädchen, das an dem seltenen Crigler-Najjar-Syndrom Typ I litt. Bei dieser Stoffwechselerkrankung ist der Körper nicht in der Lage, Bilirubin, ein Abbauprodukt der Blutzellen, auf normale Weise auszuscheiden. In der Folge entsteht eine Gelbsucht. Die meisten Betroffenen sterben schon im jugendlichen Alter. Bisher kann die Crigler-Najjar-Erkrankung nur durch eine Lebertransplantation behandelt werden.

Die durch Ärzte des University of Nebraska Medical Center einem Spender entnommenen Leberzellen wurden durch einen Katheter in eine große Blutader eingeleitet, die zur Leber führt. Über 15 Stunden lang wurden so etwa sieben Billionen Zellen übertragen, was etwa fünf Prozent der Lebermasse insgesamt ausmachte. Bereits 20 Stunden später konnte die Patientin nach Hause entlassen werden.

In der Folgezeit wurde die Enzymaktivität in der Leber aufgezeichnet und die Funktion der transplantierten Zellen analysiert. Vor der Behandlung lag der Bilirubin-Pegel der Patientin bei etwa 27 mg/dl. Ein Jahr nach der Transplantation bewegte er sich stabil um einen Wert von 12 mg/dl herum. Obwohl der normale Wert unter 1 liegt, wird das Risiko einer Hirnschädigung schon signifikant gesenkt, wenn unter 20 mg/dl Bilirubin vorhanden sind.

Eine bei dieser Art von Krankheit notwendige tägliche Phototherapie konnte von zwölf auf zehn Stunden eingeschränkt werden, und die Symptome von Gelbsucht ließen deutlich nach. Allerdings muß die Patientin regelmäßig immunosuppressive Medikamente zu sich nehmen, um eine Abstoßung der fremden Zellen zu verhindern.

Nach Strom befinden sich in der Leber der Patientin nun zwei verschiedene Zelltypen: Der größere Anteil besteht aus den eigenen Zellen, die nicht in der Lage sind, das Enzym zu produzieren, welches für die Ausscheidung von Bilirubin notwendig ist. Der andere, wenn auch geringere Teil, besteht aus den transplantierten Zellen, die voll funktionsfähig sind. Durch sie wird der Bilirubinspiegel gesenkt.

Die Wissenschaftler betonen, daß bisher zwar schon Transplantationen von Leberzellen vorgenommen wurden. Aber das Überleben dieser Zellen über einen längeren Zeitraum und ihre Funktionsfähigkeit seien jetzt zum ersten Mal nachgewiesen worden. Sie hoffen, daß durch Leberzellinfusion die Zusatzbehandlungen für Leberkranke allmählich nicht mehr notwendig werden und Erkrankungen ohne die Transplantation ganzer Organe geheilt werden können.

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