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News: Früherkennung von Erfolg oder Mißerfolg

Wenn sich bei einer medizinischen Therapie der gewünschte Erfolg nicht einstellt, dann ist es wichtig, dies möglichst früh zu erkennen. Bei Knochenmarktransplantationen scheint es jetzt gelungen zu sein, die Beurteilung rund eine Woche früher zu ermöglichen.
Thomas Lion vom Forschungsinstitut für krebskranke Kinder (CCRI) der Universität Wien untersucht die Vorteile einer frühzeitigen Blutzell-Untersuchung nach Knochenmarktransplantationen. Werden die Blutzellen des Patienten schon in den ersten Tagen nach der Transplantation regelmäßig molekularbiologisch untersucht, so scheint sich der Erfolg oder Mißerfolg der Transplantation rund eine Woche früher erkennen zu lassen, als dies bisher möglich war. Wird das Knochenmark von vornherein nicht angenommen bzw. zunächst angenommen und dann abgestoßen, können die dann notwendigen Maßnahmen auch dementsprechend früher gesetzt werden. Für die Patienten kann dieser Zeitgewinn unter Umständen lebensrettend sein.

Die geringe Menge an weißen Blutzellen macht eine sichere Auskunft über den Erfolg oder Mißerfolg einer Knochenmarktransplantation erst vier Wochen nach dem Eingriff möglich. Innerhalb dieser vier Wochen ist der Patient einer hohen Gefährdung ausgesetzt, da bei ihm praktisch kein Immunsystem vorhanden und er Krankheitserregern hilflos ausgeliefert ist. Mit Hilfe einer optimierten molekularbiologischen Untersuchung gelang es Lion, im Rahmen seines Projektes, bei bisher rund 5O Patienten bereits einige Tage nach der Transplantation Vorhersagen über deren Ausgang zu machen und die entsprechenden klinischen Maßnahmen zu treffen. "Wird das Knochenmark zum Beispiel abgestoßen, so besteht durch diese frühe Erkennung die Möglichkeit, dem Patienten schnell noch einmal Knochenmark zu transplantieren – noch bevor seine ursprünglichen Zellen wieder aktiv werden", erklärt Lion die Vorteile der frühzeitigen Untersuchung. Leukämie-Patienten kann man damit zum Beispiel eine weitere Chemotherapie ersparen."

Die bisherigen Untersuchungen auch an ganz spezifischen Zelltypen haben gezeigt, daß die Prozesse nach Knochenmarktransplantationen sehr dynamisch und schnell ablaufen. Eine Abstoßung kann sich dabei innerhalb von nur 48 Stunden entwickeln. Um so wichtiger ist daher das frühe Erkennen des Verlaufs. "Sollte sich der bei uns festgestellte Trend weiter bestätigen, werden wir alles daran setzen, einen internationalen Konsens zu erreichen, damit weltweit für die Patienten die beste Nachuntersuchung gewährleistet wird", so Lion. Bei Leukämiekranken, aber auch bei Patienten mit angeborenen Immundefekten, angeborenen Defekten der Blutbildung oder angeborenen Stoffwechselstörungen könnte damit der Krankheitsverlauf bzw. die Heilung wesentlich beeinflußt werden.

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