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News: Gezielt herauspicken und ausschalten

Im Kampf gegen manche Krebserkrankungen müssen Ärzte zu drastischen Methoden greifen, um das Leben ihrer Patienten retten zu können. Die Zerstörung des eigenen Knochenmarks und anschließende Transplantation von Spendergewebe ist solch eine Notmaßnahme. Damit die Immunzellen aus dem neuen Knochenmark nicht die ihm fremden Körperzellen angreift, unterdrückt man es mit Medikamenten. Dadurch wird der Patient allerdings anfällig für Infektionen. Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma gefunden: Sie bekämpfen gezielt nur jene Zellen, welche die Immunantwort auslösen.
Aus dem Knochenmark gehen alle Arten von Blutzellen hervor. Deshalb versuchen Ärzte, mit einer Knochenmarkstransplantation Blutkrebs und ererbte schwere Blutkrankheiten unter Kontrolle zu bekommen oder gar zu heilen. Da auch die Zellen des Immunsystems in diesem Gewebe gebildet werden, besteht ein gewisses Risiko, daß es zu einer Abstoßungsreaktion des Körpers kommt, bei welcher die T-Zellen des Spenderknochenmarks den Empfänger angreifen, weil sie ihn als "fremd" ansehen. Bisher behandelt man diesen kritischen Zustand mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, indem sie die T-Zellen hemmen. Doch dadurch wird eine neue Gefahr heraufbeschworen, denn der Patient ist nun wehrlos gegen Infektionen aller Art.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Stephen G. Emerson vom University of Pennsylvania Medical Center hat nun festgestellt, welche Immunzellen den häufig genug tödlichen Kampf zwischen Körper und Transplantat auslösen (Science vom 16. Juli 1999). Sie züchteten einen Mäusestamm, dessen Antigen-präsentierende Zellen keine T-Zellen mehr aktivieren konnten. Diese Mäuse sowie eine unveränderte Kontrollgruppe bestrahlten sie mit hohen Intensitäten, die – wie bei menschlichen Patienten – das eigene Knochenmark zerstörten. Anschließend bekamen die Tiere Spendermark transplantiert. Nur zwei von 16 Mäusen mit den manipulierten Antigen-präsentierenden Zellen starben daraufhin an einer Abstoßungsreaktion, während 14 der 16 Kontrolltiere eingingen. Daraus folgern die Forscher, daß Antigen-präsentierende Zellen des Empfängers sich auch nach der Transplantation noch im Blutkreislauf befinden und die Immunreaktion auslösen.

In Menschen müßten diese Zellen natürlich auf andere Weise ausgeschaltet werden. Emerson sieht eine Möglichkeit im Einsatz spezifischer Antikörper, die ein Toxin tragen und damit nur die Patienten-eigenen Antigen-präsentierenden Zellen abtöten. Da immer noch die Zellen des Spenders im Blutkreislauf patroullieren, wäre das Immunsystem trotz der Behandlung noch verteidigungsfähig.

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