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News: Hilfe bei Staphylococcus-Infektionen

Infektionen mit dem gefährlichen Krankheitserreger Staphylococcus aureus sind für Krankheiten ,die von Hautabszessen bis hin zum toxischen Schocksyndrom reichen, verantwortlich. Ungefähr ein Drittel der gegenwärtig isolierten Erregerstämme, die bei Patienten gefunden worden, welche sich während ihres Krankenhausaufenthaltes angesteckt haben, sind gegen fast alle Antibiotika resistent. Die einzige Ausnahme bildet das Antibiotikum Vancomycin - doch auch dagegen sind einige Stämme des Bakteriums bereits unempfindlich. Neue Forschungsergebnisse weisen einen Ausweg aus der drohenden Misere, der zugleich nicht durch neue Resistenzen unwirksam gemacht werden kann.
Naomi Balaban vom Medical Center der University of California in Davis berichtet in Science vom 17. April 1998, daß sie bei Mäusen sowohl Neuerkrankungen als auch das Ausmaß bereits bestehender Beschwerden durch Staphylococcus aureus-Infektionen verringern konnte, indem sie die Aktivität eines als RAP (receptor-associated protein) bezeichneten Proteins hemmte. RAP kontrolliert die Produktion von Giftstoffen und anderen Proteinen, die das Bakterium erst zu einem Krankheitserreger werden lassen. Das Ausschalten von RAP könnte verhindern, daß sich die Bakterien im Körper verbreiten, bevor das Immunsystem des Patienten sich ihrer entledigt. Dies wäre unter Umständen über eine Impfung mit dem Protein möglich oder mit Medikamenten, die RAP inaktivieren. Derartige Arzneien würden den Erreger nicht direkt abtöten, und da somit selektive Abtötungsmechanismen fehlen, wäre die Entwicklung von resistenten Stämmen weniger wahrscheinlich.

Balaban entdeckte RAP und seine Funktion vor einigen Jahren. Ihre vorherigen Arbeiten deuteten an, daß S. aureus RAP abgibt, während es sich vermehrt. Erreicht das Protein eine kritische Konzentration, sendet es ein Signal aus, wodurch Gene für die Produktion von Giftstoffen aktiviert werden. "Dadurch sind wir darauf gekommen", erläutert Balaban, "daß das Protein ein nützliches Ziel für Präventionsstrategien sein könnte." Sie und ihre Kollegen impften Mäuse mit RAP, das aus S. aureus-Kulturen gereinigt worden war. Die geimpften Tiere entwickelten RAP-Antikörper, und nach subkutaner Injektion der Bakterien traten nur bei 28 Prozent der Mäuse krankhafte Hautveränderungen auf, verglichen mit 70 Prozent bei einer Kontrollgruppe.

Da es Wochen dauert, um eine Immunreaktion aufzubauen, würde eine solche Impfung Menschen mit einem zu erwartenden Risiko zugute kommen, wie beispielsweise Diabetikern, Dialysepatienten oder Menschen, die demnächst operiert werden. Dieser Ansatz "eröffnet uns eine völlig neue Strategie zur Behandlung oder Vorbeugung einer der schwersten Krankenhausinfektionen, mit denen wir zu kämpfen haben", sagt Julie Gerberding, Spezialistin für Infektionskrankheiten an der University of California in San Francisco. "Methoden, mit denen sich Krankheiten verhindern lassen und gegen die es keine Resistenzen geben wird, könnten uns wirklich helfen – und wir werden bald Hilfe benötigen."

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