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News: Jugend auf Rezept

Warum altern wir? Und könnte man das eventuell verhindern oder zumindest verlangsamen? Diese Fragen beschäftigen die Menschheit schon seit langem. Vielleicht sind Forscher den Antworten jetzt ein Stückchen näher gekommen: Sie konnten die Lebensspanne eines Fadenwurms um fast die Hälfte verlängern - allein über künstlich hergestellte Stoffe, welche die Aufgabe verschiedener körpereigener Enzyme nachahmten. Ein erster Schritt auf dem Weg zur Pille gegen das Altern?
Viele Menschen träumen davon, ewig jung zu bleiben. Aber auch bei verschiedenen Krankheiten spielt das zunehmende Alter eine wichtige Rolle. Wissenschaftler sind darum auf der Suche nach den Mechanismen, die einen Körper altern lassen, damit sie in den Prozess eingreifen und ihn vielleicht sogar verlangsamen können. Bei uns ist ihnen das noch nicht gelungen, aber ein kleiner Wurm namens Caenorhabditis elegans hat schon von der Forschung profitiert: Biologen haben bei ihm ein Gen entdeckt, das offenbar für seine Lebensspanne von etwa 20 Tagen verantwortlich ist. Denn als sie es ausschalteten, lebten die Tiere um bis zu ein Drittel länger.

Nun kann es aber recht aufwendig sein, so ein Gen auszuschalten. Ganz abgesehen davon, dass bei anderen Organismen wahrscheinlich mehrere Gene beteiligt sind, die man erst einmal ausfindig machen muss. Eine viel angenehmere Alternative wäre es, über Medikamente das Altern hinauszuzögern.

Und wieder einmal diente der Fadenwurm als Versuchsobjekt. Forscher um Gordon Lithgow von der University of Manchester mischten zwei synthetisch hergestellte Substanzen in das Medium, in dem C. elegans im Labor normalerweise lebt. Die Stoffe waren Nachbildungen der natürlichen Enzyme Superoxid-Dismutase und Katalase, die im Körper so genannte freie Sauerstoffradikale unschädlich machen, Nebenprodukte der Energiegewinnung in den Mitochondrien, den "Kraftwerken" der Zelle. Diese freien Radikale sind sehr reaktionsfreudig und können verheerende Schäden anrichten, indem sie zum Beispiel die Funktion der Organellen beeinträchtigen und nach und nach die mitochondrielle DNA zerstören. Daher werden sie schon seit langem verdächtigt, beim Alterungsprozess ganz entscheidend beteiligt zu sein.

Die Ergebnisse klingen viel versprechend: Die Lebensspanne der Tiere verlängerte sich im Durchschnitt um fast 50 Prozent (Science vom 31. August 2000). "Die behandelten Würmer wirkten noch jung und aktiv, als die unbehandelten Würmer die charakteristischen Anzeichen für ein hohes Alter zeigten", berichtet Lithgow. Gleichzeitig gelang es den Forschern auch, die Überlebensdauer von mutierten Caenorhabditis wieder zu erhöhen, die mehr Sauerstoffradikale produzierten und schneller alterten als ihre gesunden Artgenossen.

Die Forscher sehen durch ihre Resultate die Annahme bestätigt, dass oxidativer Stress tatsächlich ein wichtiger Faktor für die Lebenszeit ist und womöglich medikamentös beeinflusst werden kann. David White vom Biotechnology and Biological Sciences Research Council in Großbritannien warnt allerdings vor verfrühten Hoffnungen: "Es scheint einen dramatischen Effekt bei Würmern zu haben. Ob es dieselben Auswirkungen auch bei anderen Organismen hat, muss erst noch nachgewiesen werden." Bis zur Pille gegen das Altern ist es also noch eine Weile hin.

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