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News: Kein Vorfahre, nur Nachbar

Mit modernen forensischen Verfahren, mit denen normalerweise Personen identifiziert werden, untersuchten Wissenschaftler das Genom eines Neandertaler-Kindes. Das ist die zweite genetische Analyse einer Art, deren Altersbestimmung ergeben hat, dass sie zur selben Zeit wie der moderne Mensch existiert hat. Die Ergebnisse der Studie bestätigen das Out-of-Africa-Modell der Evolution des Menschen, nach dem der moderne Mensch nicht vom Neandertaler abstammt, sondern in Afrika entstand und nach und nach archaische Arten ersetzte.
Die schon langandauernde und recht hitzig geführte Debatte zwischen Experten über unsere verwandtschaftliche Beziehung zu den Neandertalern scheint ein für alle mal beendet zu sein. Wissenschaftler vom Human Identification Centre der University of Glasgow untersuchten die Mitochondrien-DNA (mtDNA) eines Kindes dieser Art, dessen Überreste 1987 im nördlichen Kaukasus gefunden wurden. Dieses etwa 30 000 Jahre alte Genom verglichen sie mit dem Erbgut moderner Menschen. Die Forscher betrachteten dabei hauptsächlich die hypervariablen Regionen der mtDNA, die sich für genetische Verhältnisse relativ rasch verändern und daher häufig für die Erkennung von verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Arten herangezogen werden.

Die genetische Analyse ergab, dass sich der Neandertaler und die Vorfahren des modernen Menschen vermutlich vor 500 000 Jahren voneinander trennten, was die Hypothese bestätigt, dass die Vorfahren des Homo sapiens vor etwa 100 000 in Afrika entstand, von wo aus er dann nach und nach die restliche Welt besiedelte (Nature vom 30. März 2000).

"Es ist wie ein Wunder, dass die Überreste des Kindes in der Kalksteinhöhle Mezmaiskaya so gut erhalten waren", freut sich William Goodwin von der University of Glasgow. "Normalerweise findet man so gut konserviertes Material nur bei Funden aus Dauerfrostgebieten."

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