Direkt zum Inhalt

Dunkle Materie: Keine Dunkle Scheibe in der Milchstraße

Die Idee war kreativ, eigenwillig - und apokalyptisch. Doch eine Analyse von Sternbewegungen zeigt nun: Dunkle Materie hat wohl zu gewöhnliche Eigenschaften, um Massensterben auszulösen.
Sombrero-Galaxie in sichtbarem Licht und Infrarot

Kometeneinschläge, Vulkanausbrüche, Massensterben – all das durch die so schwer greifbare Dunkle Materie? Das jedenfalls folgt aus dem Modell der »Dark Disk«, entwickelt im Jahr 2013 von Lisa Randall und Matthew Reece: Nach dieser Vorstellung liegt in der Ebene der Milchstraße eine zweite, unsichtbare Scheibe Dunkler Materie.

Denkbar wäre das, wenn die Dunkle Materie nicht nur aus einem Elementarteilchen besteht, sondern aus mehreren Partikelarten, die teilweise aneinanderreiben. Dann könnte sich der Dunkelstoff statt in einer diffusen Wolke in einer Scheibe sammeln – mit potenziell drastischen Folgen für die Erde.

So schlugen Randall und Reece vor, dass die Dunkle Materie Kometen aus dem äußeren Sonnensystem in Richtung Erde ablenken und so verheerende Einschläge verursachen könnte. Der Theorie zufolge passiert das etwa alle 35 Millionen Jahre, wenn die Erde die Dunkle Scheibe kreuzt. Damit ließe sich vielleicht sogar der Untergang der Dinosaurier erklären, spekulierte Randall.

Doch die meisten Fachleute haben Zweifel an der Zyklus-Theorie, und nun scheint sie endgültig in unüberwindbaren Konflikt mit astronomischen Daten geraten zu sein: Eine Gruppe um Katelin Schutz von der University of California in Berkeley hat die lokale Schwerkraftverteilung in der Umgebung der Sonne vermessen, und zwar mit Hilfe des ersten Sternenkatalogs des Gaia-Satelliten und dem älteren Tycho-Katalog. Anhand der Relativbewegungen von Sternen konnten die Forscher ermitteln, wie viel Masse höchstens in Form Dunkler Materie in der Scheibenebene konzentriert sein kann. Das Fazit: Es sei viel zu wenig für Randalls Theorie, schreibt das Team im Fachmagazin »Physical Review Letters«.

Maximal sechs Sonnenmassen pro 10 Kubikparsec Volumen, so die Forscher, könne die Dunkle Materie beitragen – sonst würden sich Sterne in unserer Nachbarschaft schneller bewegen. Nötig wären aber mindestens 10, wenn nicht 15 bis 20 Sonnenmassen, damit die Dunkle Scheibe großräumige, sonst nicht erklärbare Effekte haben könnte.

Lesermeinung

7 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos