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Wildtierforschung: Klimawandel macht Antilopen nachtaktiv

Die zunehmende Hitze macht auch Antilopen in Südafrika zu schaffen und führt zu fatalen Verhaltensänderungen. Das haben Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität von Witwatersrand in Johannesburg herausgefunden.

Die die Wissenschaftler um Anne Berger sowie Norman Owen-Smith haben untersucht, wie freilebende Huftiere in Europa und Afrika mit steigenden Temperaturen zurechtkommen. In Europa können sowohl hohe Sommertemperaturen, besonders aber erhöhte Wintertemperaturen Probleme bereiten. So war bekannt, dass hohe Wintertemperaturen zu Störungen der Gewichtsentwicklung bei Przewalskipferden und zu Huferkrankungen führen.

In Südafrika bereiten zunehmende Hitze und Trockenheit im Sommer die wesentlichen Probleme. Die Forscher gingen nun der Hypothese nach, dass verschiedene Huftiere ihre Aktivität und Nahrungsaufnahme in die Nacht verlegen und dabei einem erhöhten Feinddruck ausgesetzt sind, der zum Aussterben ganzer Populationen führen kann. Solche Verlagerungen von Aktivität und Nahrungsaufnahme in die kühleren Nachtstunden konnten bereits bei Przewalskipferden und Mufflons in heißen Sommern in einem Brandenburger Reservat gemessen werden. Dabei hatten sich die im IZW entwickelten Ethosys-Halsbänder bewährt. Die Geräte zeichnen über Monate und Jahre hinweg auf, wann Tiere ruhen und wann sie fressen. Die im Halsband gespeicherten Daten können per Funk ausgelesen werden.Dieses Verfahren setzten die Forscher nun auch in Südafrika zunächst in einem großen Reservat (Suikerbosrand bei Johannesburg) ein, umd Aktivität und Nahrungsaufnahme langfristig zu verfolgen.

"Wir hatten in der afrikanischen Landschaft mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, vor allem die größeren Entfernungen zwischen Sender und Empfänger machten uns zu schaffen." berichtet Anne Berger. Doch es zeigte sich ein Trend: Die steigende Hitze tagsüber führt dazu, dass die Blesbok-Antilopen eher in den Abend- und Nachtstunden äsen. Damit aber würden sie mit einem Mal leichte Beute für ihre Fressfeinde.

Anne Berger zu den ersten Ergebnissen: "Die Beutegreifer sind nachts gegenüber den Antilopen im Vorteil. Während die Antilopen selbst durch ihre Fressgeräusche anschleichende Prädatoren schlechter hören, können Prädatoren ihrerseits die Beute dadurch besser orten. Die Antilopen sehen außerdem nachts die herannahenden Feinde nicht oder erst viel zu spät."

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