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Pflanzenevolution: Komplizierte Blätter schrecken Rüsselkäfer ab

Eine japanische Rüsselkäferart lehnt zu kompliziert geformte Blätter als Baumaterial ihrer Eiröhren ab – dient die komplexere Blattform möglicherweise zur Abschreckung?
Ein Rüsselkäfer (beachtet den Rüssel) auf einem Blatt.Laden...

Der Rüsselkäfer Apoderus praecellens wählt für den Nestbau gezielt möglichst einfache Blätter und vermeidet kompliziert geformte. Dieser Effekt könnte einen bislang unbekannten Verteidigungsmechanismus gegen Fraßfeinde darstellen, berichten Yumiko Higuchi  von der Universität Kyoto und Atsushi Kawakita von der Universität Tokio in »Nature Plants«. Der Käfer stellt kleine Schutzröhren für seine Eier her, indem er einzelne Blätter zurechtschneidet und aufrollt – doch das funktioniert nicht überall gleich gut.

In Versuchen mit Blättern zweier eng verwandter Arten der Gattung Isodon – zu der auch einige Zierpflanzen mit hübschen Blüten gehören – stellten die beiden fest, dass die Käfer ihre Neströhren aus einfach geformten Blättern ohne tiefe Einschnitte herstellten. Die im Prinzip genauso gut geeigneten, aber komplizierter geformten Blätter der Nachbarpflanze brachten sie dagegen aus dem Konzept. Das sei möglicherweise eine Anpassung der Pflanze, spekulieren Higuchi und Kawakita – allerdings präsentieren sie dafür keine weiteren Belege.

A. praecellens ist ein nur wenige Millimeter langer schwarzer Käfer, der seine Eier auf ungewöhnliche Art schützt. Hat das Weibchen ein genehmes Blatt gefunden, läuft es zuerst die gesamte Blattfläche ab und nimmt das Baumaterial in Augenschein. Anschließend durchtrennt es die Blattfläche nahe am Stiel von beiden Seiten bis zur Mittelrippe und beißt einen großen Teil der Blattadern durch, um es weniger steif zu machen. Das so vorbereitete Blatt klappt es längs zusammen, legt ein Ei an die äußerste Spitze und rollt anschließend das ganze Blatt von der Spitze her auf. Die so entstandene Röhre, die der Käfer schließlich ganz vom Stiel abbeißt, dient der Larve nicht nur als Schutzraum, sondern nach dem Schlüpfen auch als Nahrung.

Doch nicht jedes Blatt findet bei den Käferdamen Anklang. In den Versuchen von Higuchi und Kawakita führten die Rüsselkäfer zwar sowohl auf den einfach geformten als auch auf den tief eingeschnittenen Blättern ausführliche Erkundungsgänge durch – doch bei der kompliziert geformten Pflanze sparten sie sich die mühevolle Rollarbeit. Das änderte sich allerdings, wenn die eigentlich komplizierten Blätter in eine einfache Form geschnitten wurden; in diesem Versuch akzeptierten die Käfer auch die eigentlich verschmähte Pflanze. Ob die komplexe Blattform sich, wie in der Veröffentlichung vermutet, tatsächlich als Abschreckungsmechanismus entwickelte, ist unklar – die Versuche zeigen nach Angaben der Fachleute jedoch, dass allein die Blattform den Käfer dazu bringen kann, sonst geeignetes Nistmaterial abzulehnen.

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