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News: Länger als erwartet

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben ermittelt, daß sich die Rückbildung des Ozonlochs deutlich verzögert. Selbst wenn die internationalen Vereinbarungen zur Kontrolle der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) strikt umgesetzt werden, wird das Ozonloch auch in 20 Jahren noch in gleichem Umfang wie heute existieren. Dies zeigen aktuelle Modellrechnungen von Wissenschaftlern des Institutes für Physik der Atmosphäre des DLR.
Satellitendaten weisen auch in diesem Jahr über der Antarktis ein großes Gebiet mit stark vermindertem Ozon aus, das sogenannte Ozonloch. Die Ozonschicht, die Lebewesen auf der Erde vor den schädlichen Einwirkungen der energiereichen solaren UV-Strahlung schützt, ist über der Antarktis um mehr als 60 Prozent verringert. In der Stratosphäre, also in Höhen zwischen 15 und 20 Kilometern, verschwindet etwa von Mitte September bis Ende Oktober das Ozon fast vollständig. Hauptverursacher für den ungewöhnlich starken Ozonabbau sind Chloratome, die in FCKW-Verbindungen enthalten sind.

Seit seiner Entdeckung im Jahre 1985 ist das Ozonloch nahezu kontinuierlich größer geworden. Die Fläche, die das Ozonloch umfaßt, ist mittlerweile etwa doppelt so groß wie Europa (24 Millionen Quadratkilometer). Deutliche Ozonverluste werden seit Beginn der 90er Jahre auch über der nördlichen Hemisphäre im Frühling beobachtet. Für die Wissenschaftler stellte sich die Frage, wie sich die Ozonschicht insgesamt in Zukunft entwickeln wird und ob die internationalen Vereinbarungen zum Schutz der Ozonschicht (Montrealer Protokoll zur Kontrolle der FCKW und Folgevereinbarungen von Kopenhagen) durch weitere Maßnahmen unterstützt werden müssen, um die bereits eingetretenen Veränderungen zum Stillstand zu bringen beziehungsweise wieder rückgängig zu machen.

Wissenschaftler am Institut für Physik der Atmosphäre des DLR in Oberpfaffenhofen haben mit einem komplexen Atmosphärenmodell, das anhand von Satellitendaten überprüft wurde, Rechnungen durchgeführt, um diese zukünftige Entwicklung der stratosphärischen Ozonschicht abzuschätzen. Erste Ergebnisse (Geophysical Research Letters, 25, 3579-3582) lassen den Schluß zu, daß sich das Ozonloch langsamer schließen wird als bisher erwartet, selbst wenn die international vereinbarten Maßnahmen zum Ausstieg aus der Produktion und Nutzung der FCKW strikt eingehalten werden. Ursache dafür ist nach Meinung der Wissenschaftler der zu erwartende weitere Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre, z.B. von Kohlendioxid.

Der sogenannte Treibhauseffekt führt zu einer globalen Erwärmung der bodennahen Atmosphärenschichten, bei gleichzeitiger Abkühlung in der Stratosphäre. Diese Abkühlung verursacht einen stärkeren Ozonabbau in der polaren Atmosphäre. Die Ergebnisse des DLR deuten darauf hin, daß das Ozonloch in den nächsten 20 Jahren mindestens in gleichem Umfang weiter existieren wird wie heute, selbst wenn für diesen Zeitraum eine Reduzierung der Chlorkonzentration in der Stratosphäre von 15 Prozent angenommen wird, was nach heutigem Kenntnisstand der günstigste aller anzunehmenden Fälle ist. Sollte sich die Chlorkonzentration in der Stratosphäre langsamer verringern, hätte dies in den nächsten Jahren einen verstärkten Ozonabbau zur Folge. Es könnte auch ein Ozonloch über der Arktis entstehen.

Die Ergebnisse dieser ersten Modellstudien zeigen, daß selbst bei einer sehr optimistischen Abschätzung bezüglich der Entwicklung der stratosphärischen Chlorkonzentration die Ozonabnahme speziell über dem antarktischen Kontinent noch einige Jahrzehnte existieren wird. Die Ozonschicht insgesamt wird sich nur dann regenerieren, wenn neben dem Verbot der FCKW auch der derzeit weltweit starke Anstieg der CO2-Emissionen gestoppt wird.

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