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News: Lesefehler im Alter

Wissenschaftler haben eine neue These zur Ursache der Alzheimerschen Krankheit entwickelt. Ihrer Meinung nach ist ein fehlerhaftes Ablesen der DNA bei der Transkription dafür verantwortlich, daß bestimmte Proteine in geschädigter Form auftreten. Diese Vermutung ist aber nicht unbestritten.
Fred van Leeuwen und seine Kollegen am Nederlands Instituut voor Hersenonderzoek (Netherlands Institute for Brain Research) in Amsterdam fanden Beweise für fehlerhafte Versionen von zwei Proteinen, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden: das beta-Amyloid-Precursor-Protein (bAPP) und Ubiquitin. Während gewöhnlich mutierte Gene für fehlerhafte Proteine verantwortlich gemacht werden, fanden die Forscher keine Veränderungen in den Genen für bAPP oder Ubiquitin selbst. Statt dessen fanden sie Hinweise auf einen Fehler bei der Gen-Expression (Science, Ausgabe vom 9. Januar 1998).

Van Leeuwen fand heraus, daß bei der Umsetzung der DNA in RNA eine bestimmte Sequenz von Nucleinsäuren falsch, nämlich verkürzt, gelesen wurde. Dies führte zu einer Mutation, die ein verstümmeltes Protein entstehen ließ. Weil der Fehler in den Zellen älterer Menschen auftaucht, fragten sich die Forscher, ob er bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen könnte.

Sie setzten Hirnproben von Alzheimer-Patienten und Menschen, die am Down-Syndrom leiden und frühe Symptome von Alzheimer entwickeln, Antikörper zu. Diese Antikörper wurden entwickelt, um geschädigte Versionen von Ubiquitin und bAPP zu markieren. In fast allen Alzheimer- und Down-Proben reagierten die Antikörper mit ihren Ziel-Proteinen, aber sie reagierten nicht mit den Hirnproben junger Kontrollpersonen. Darüberhinaus ergaben Analysen der mRNA Beispiele von Deletionen in allen untersuchten Alzheimer- und Down-Patienten. Die Wissenschaftler nehmen an, daß die Transkription viel anfälliger für Fehler wird, wenn Zellen altern.

Die Reaktionen auf die Erkenntnisse sind gemischt. Einige Forscher warnen davor, daß die Ergebnisse auf Tests basieren, die irreführend sein könnten. John Hardy von der Mayo Clinic in Jacksonville, Florida, sagt, die von Alzheimer betroffenen Gehirnzellen seien so beschädigt, daß die Antikörper sich auch an viele andere Dinge außer den geschädigten Formen von bAPP und Ubiquitin binden könnten. Sogar wenn die veränderten Proteine tatsächlich vorhanden sind, so glaubt er, „sind sie viel wahrscheinlicher ein Effekt als eine Ursache“ der Alzheimerschen Krankheit.

Andere jedoch, wie Zaven Khachaturian, wissenschaftlicher Berater für die Alzheimer's Association, sagen, die Arbeit könnte helfen zu erklären, warum Alter der größte Risikofaktor für die Entstehung von Alzheimer ist, da sich die Fehler bei der Proteinbildung wahrscheinlich im Laufe der Zeit akkumulieren.

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