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Zika-Virus: Mikrozephalie 'nur die Spitze des Eisbergs'?

Fachleute erklären den Zusammenhang des Virus mit Mikrozephalie für eindeutig nachgewiesen. Jetzt beginnt die Suche nach weiteren, weniger auffälligen Folgen der Krankheit.
Ein Gehirn mit fehlenden Puzzleteilen auf blauem GrundLaden...

Nach Monaten hektischer Aktivität bekommen Seuchenforscher nun erste Antworten auf die drängenden Fragen rund um die Zika-Epidemie in Südamerika. Einen der meistdiskutierten Punkte erklärt nun eine Forscherin des US-Seuchenschutzzentrums CDC nach sorgfältiger Analyse für erledigt: Zika verursacht Mikrozephalie bei Neugeborenen. Sie erteilt damit auch Spekulationen verschiedener Interessengruppen eine Absage, die Faktoren wie Impfungen oder Pestizide am Werk sahen. Für ihre Studie haben sich die Fachleute die gesamte bisher veröffentlichte Literatur nach einem Standardverfahren ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass die über Zika vorhandenen Daten den Kriterien für nachgewiesene fruchtschädigende Eigenschaften genügen.

Nachzuweisen, dass ein bestimmter Einfluss teratogen ist, also ungeborene Kinder schädigt, ist schwierig – zeitliche Zusammenhänge lassen sich wegen der Dauer der Schwangerschaft zum Beispiel oft nicht sicher feststellen. Wie die Forscher in ihrem Bericht schreiben, gibt es deswegen keine "Smoking Gun", also keine einzelne Studie, die in der Lage wäre, den Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie zu belegen. Stattdessen untersuchte das Team unter Führung der Ärztin Sonja Rasmussen, ob die bisherige Forschung den sieben so genannten Shepard-Kriterien gehorchen, die in den 1990er Jahren aufgestellt werden und zum Beispiel auch in Gerichtsprozessen angelegt werden. Dabei erfüllen die vorliegenden Belege nur zwei der Kriterien nicht – eines davon ist auf Viren grundsätzlich nicht anwendbar, das zweite verlangt danach, den Effekt im Tierversuch nachzuvollziehen. Tiermodelle für Zika sind allerdings noch im Entwicklungsstadium. Deswegen sieht die Forscherin die Shepard-Kriterien erfüllt.

Das CDC bezeichnet diesen Befund als Wendepunkt bei der Bekämpfung der Zika-Epidemie; wie sie zu dieser Bewertung kommt, berichtet die Organisation jedoch nicht. Der Eindämmung der Krankheit ist man damit jedenfalls nicht nähergekommen. Allerdings können sich Fachleute nun der Frage zuwenden, wie Zika das Gehirn schädigt. Ein erstes Indiz lieferte jüngst der Befund, dass Zika neuronale Stammzellen bevorzugt befällt – und dafür wohl keine Hilfe des Immunsystems oder anderer Viren braucht wie bisher vermutet. Das wirft eine weitere Frage auf: Was macht Zika mit dem Gehirn Erwachsener? Bisher ist ein Zusammenhang mit dem Guillain-Barré-Syndrom belegt, doch welche subtileren, langfristigen Effekte die Krankheit auf das Denkorgan hat, ist noch nicht klar. Die bislang bekannten Probleme könnten nur die Spitze des Eisbergs sein, so das CDC.

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