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News: Mit Lernen das Gehirn kleinkriegen

Unter älteren gesunden Menschen schrumpft ausgerechnet bei denen mit einer längeren Ausbildung das Gehirn stärker als bei ihren Altersgenossen mit weniger Ausbildungsjahren. Erstaunlicherweise verhält es sich mit dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit umgekehrt. Nach einer neuen Studie leiden gerade Menschen mit langjährigem Bildungsweg weniger unter Vergeßlichkeit oder Nachlassen ihrer intellektuellen Fähigkeiten.
Die Studie wurde unter Leitung von C. Edward Coffey und seiner Arbeitsgruppe am Henry Ford's Department of Psychiatry durchgeführt. Insgesamt 320 gesunde Frauen und Männer im Alter von 66 bis 90 Jahren haben die Forscher untersucht. In einer Voruntersuchung überprüften sie die Teilnehmer zunächst auf Beeinträchtigungen ihres geistigen Zustandes hin. Um die Größe des Gehirns festzustellen, nutzten die Wissenschaftler Magnetresonanz-Tomographie. Dabei ergab sich, daß das Anwachsen der cerebrospinalen Flüssigkeit um das Gehirn herum bei den besser ausgebildeten Versuchspersonen am ausgeprägtesten war.

Für jede Person wurde nun die Anzahl der Ausbildungsjahre, beginnend mit dem ersten Schuljahr, ermittelt. Für jedes dieser Jahre fanden die Forscher etwa 1,77 Milliliter mehr cerebrospinale Flüssigkeit um das Gehirn herum. Zum Beispiel besaßen ältere Menschen mit 16 Jahren Ausbildungszeit etwa acht bis zehn Prozent mehr dieser Flüssigkeit als solche mit nur vier Jahren Schule – bei gleichem Alter, Geschlecht und Schädelmaßen.

Trotz einer stärkeren Schrumpfung des Gehirns ließ sich kein klinischer Hinweis für einen merklichen Verlust an Gedächtnis oder der geistigen Fähigkeiten bei den länger ausgebildeten Personen feststellen. Außerdem ergab sich kein deutlicher Unterschied zwischen den unterschiedlichen Geschlechtern. Gute Ausbildung verringerte bei Frauen wie Männern gleichermaßen den Gedächtnisverlust. Die in der Juli-Ausgabe von Neurology (Abstract) veröffentlichte Untersuchung unterstützt damit die "Reserven-Hypothese", nach der gebildetere Menschen zwar ein größeres altersbedingtes Schrumpfen des Gehirns aufweisen, aber besser gegen geistige Alterungserscheinungen wie Vergeßlichkeit oder sogar Demenz gewappnet sind.

"Unsere Forschung zeigt, daß Ausbildung eine schützende Wirkung besitzt", sagt Coffey. "Allerdings reduziert diese nicht solche Gehirnänderungen, die mit Krankheiten oder Alterung in Verbindung stehen. Sie ermöglichen es aber den länger ausgebildeten Individuen, den Einflüssen einer sich zersetzenden Gehirnstruktur eher zu widerstehen, indem sie bessere Kognitions- und Verhaltensfunktionen behalten. Zusätzliche Forschung dürfte jedoch nötig sein, um die Mechanismen zu bestimmen, durch welche die Ausbildung möglicherweise kognitive Fähigkeiten bewahrt."

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