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Biogeografie: Pinguin nutzt Ausrottung eines Verwandten

Gelbaugenpinguine
Entgegen bisheriger Annahmen hat die Menschheit wohl doch schon eine Pinguinart ausgerottet. Ihr Verlust fiel allerdings erst jetzt auf, da eine verwandte Spezies – der Gelbaugenpinguin (Megadyptes antipodes) – rasch deren Platz eingenommen hat.

Museumsexemplar des Gelbaugenpinguins
Museumsexemplar des Gelbaugenpinguins | Ausgestopfter Gelbaugenpinguin: Sein ausgestorbener Verwandter war kleiner, schmächtiger und hatte kürzere Schwingen.
Demnach hat der Gelbaugenpinguin die südliche Hauptinsel Neuseelands erst in den letzten Jahrhunderten besiedelt, wie Sanne Boessenkool von der University of Otago in Dunedin und ihre Kollegen schreiben. Zuvor war dieser Lebensraum durch Megadyptes waitaha besetzt, den offensichtlich Überjagung durch Maori noch vor Ankunft europäischer Siedler ausrottete: In vielen historischen Abfallhaufen der polynesischen Einwanderer fanden sich Pinguinknochen, deren genetische und morphologische Analyse nun zeigte, dass es sich um eine eigenständige Pinguinart gehandelt haben muss.

Megadyptes waitaha war deutlich schlanker und kleiner als sein überlebender Verwandter und besiedelte die Küsten der Südinsel, während der Gelbaugenpinguin damals auf die subantarktischen Inseln Campbell und Auckland beschränkt war – Knochen dieser Art fanden sich in den Abfallhaufen bislang nicht. Die letzten bekannten Überreste der ausgestorbenen Art datieren auf die Zeit um 1500; anschließend wanderten die Gelbaugenpinguine aus Süden zu, denn bei Ankunft der ersten Europäer im 19. Jahrhundert waren sie bereits weit im südlichen Neuseeland verbreitet. In dieser Zeit änderten offensichtlich auch die Maori ihre Ernährung, denn Relikte von Megadyptes antipodes konnten die Wissenschaftler im Umfeld von ehemaligen Siedlungen der Polynesier nicht nachweisen – stattdessen dominieren kleine Tiere und Fisch. Zudem betrachten sie die Pinguine heute als heilige Tiere.

Flügelknochen
Flügelknochen | Die Schwingenknochen der beiden Pinguinarten unterscheiden sich deutlich in der Größe: rechts ist jener des ausgestorbenen Megadyptes waitaha, links der von Megadyptes antipodes.
Neben dem Verschwinden der Konkurrenz half den Gelbaugenpinguine eventuell auch, dass die Maori damals viele Siedlungen an der Südküste aufgaben – womöglich auch wegen Nahrungsmangel, nachdem alle größeren Tiere wie die Moas oder Rallen und Gänse ausgerottet worden waren. Zeitgleich schrumpften die Bestände der Neuseeländischen Seelöwen (Phocarctos hookeri), die auch Pinguine jagen. Megadyptes antipodes ist damit ein relativ junger Neuankömmling auf den neuseeländischen Hauptinseln, und seine Bestände sind nicht die Reste einer einst viel größeren Population, so Boessenkool und ihr Team. Dennoch müsse die Bestandsentwicklung der Tiere beobachtet und weitergehende Schutzmaßnahmen ergriffen werden, meinen die Forscher: Insgesamt leben nur rund 7000 Gelbaugenpinguine im gesamten Verbreitungsgebiet, wo eingeschleppte Säugetiere sie bedrohen. (dl)
47. Woche 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 47. Woche 2008

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