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News: Potemkinsche Pflanzentricks

Es wäre ein Trugschluss zu glauben, Pflanzen seien dem vielfältigen Volk ihrer Fraßfeinde hilflos ausgeliefert: Sie beherrschen vielmehr zahllose verblüffende Taschenspielertricks, die sie sich von allen möglichen Seiten abgeschaut haben. Damit bluffen sie sich oft erfolgreich durchs Leben.
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Dekorative Sauerstoffproduzenten, aber nicht besonders clever – das wäre eine wenig treffende und etwas kurzsichtige Beschreibung der Pflanzen. Schließlich hat sich die Pflanzenwelt im evolutionären Wettstreit ums Überleben neben den Tieren ja nicht grundlos gut gehalten. Und das, obwohl Tiere doch offensichtlich meist schneller, beweglicher und – abhängig von ihrer neuronalen Ausstattung – eben "cleverer" sein sollten.

Denn Pflanzen treiben im Rüstungswettlauf mit ihren Fraßfeinden oft einen nicht unerheblichen Aufwand. Sie investieren viel in eigene Bewaffnung, etwa die Produktion abschreckender Dornen oder von Giftstoffen, die hungrigen Besuchern den Appetit verderben sollen. Im Laufe der Evolution perfektionierten sich die pflanzlichen Defensiv-Strategien: Manche Pflanzen bilden ihre Giftstoffe kostengünstig "just in time" nur dann, wenn sie tatsächlich angegriffen werden, andere entwickelten deutlich erkennbare Anzeichen, als wären sie bereits angeknabbert – ein Pflanzen-Bluff, der durchaus Feinde übertölpeln kann.

Auf eine noch raffiniertere Variante pflanzlicher Täusch- und Tarnmanöver weisen nun Simcha Lev-Yadun und Moshe Inbar von der University of Haifa-Oranim hin. Sie fragten nach dem Sinn auffälliger Punkte und Muster auf den Stängeln und Blättern verschiedener israelischer Pflanzen. Offenbar, vermuten die Wissenschaftler nun, spiegeln diese Muster deren Fraßfeinden vor, sie wären bereits von Insekten befallen: Ein pflanzliches Insekten-Mimikry.

Damit würde zum Beispiel eine israelische Erbsenart, deren auffällige Samenanlagen die Farbe und Form giftiger Raupen haben, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Größere Tiere machen um die vermeintlich giftigen, da raupenbesetzten Pflanzen einen Bogen, zudem legt auch kein befruchtetes Schmetterlings-Weibchen ihre Eier auf einer Pflanze ab, auf der es bereits von Raupenkonkurrenz wimmelt. Die als sofort verfügbarer Nahrungslieferant für den Nachwuchs gedachte Pflanze scheint wohl schon radikal verputzt, bevor die Neuankömmlinge überhaupt erst aus den Eiern schlüpfen – und eine mögliche Giftstoff-Produktion der angegriffenen Pflanzen müsste ja ebenfalls bereits angelaufen sein.

Eine andere elegante Strategie verfolgen Pflanzen, die zum Zwecke ihrer Verteidigung ein stehendes, nektarbesoldetes Ameisenheer rekrutieren. Ameisen können Pflanzen nützlich sein, da sie Insektenfeinde angreifen und vertreiben. Den Heerzügen einer solchen Ameisenarmee täuschend ähnlich sehen nun in den Augen von Lev-Yadun und Inbar die Muster am Stängel des israelischen Gänseblümchens Xanthium trumarium – offenbar spiegelt die Pflanze damit ein eigenes Ameisen-Sicherheitspersonal erfolgreich vor.

Nicht Raupen oder Ameisen, sondern Schlupfwespen sehen dagegen sowohl Blütenteile der Graspflanze Paspalum paspaloides als auch die Stängelmusterumg der Hibiskus-Verwandten Alcea setosa ähnlich – ebenfalls eine wirksame Abschreckungsmaßnahme, gehören die Wespen doch zu den gefährlichsten Feinden der Schmetterlingsraupen.

Ein knappes Dutzend ähnlicher pflanzlicher Tarnstrategien fügten Lev-Yadun und sein Team den wenigen bislang bekannten Beispielen pflanzlicher Insekten-Mimikrys hinzu: "Sicherlich täuschen Tausende von Pflanzenarten auf diese Weise". Dem widerspricht zwar James Mallet vom University College in London nicht direkt. Ob die tricksenden Pflanzenarten von Insekten tatsächlich seltener angegriffen werden, könnten aber nur entsprechende Experimente belegen.

Bis zu einem schlagenden Gegenbeweis klingen die pflanzlichen Täuschmanöver allerdings ziemlich clever.

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