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News: Sieben dürre Jahre

Die höchsten Klimaarchive der Erde finden sich in den Gletschern des Himalaya. Anhand dreier Eiskerne rekonstruierten Wissenschaftler das Klima der letzten 1 000 Jahre. Demnach litten die Menschen in dieser Region während der letzten Jahrhunderte mindestens acht Mal unter dem katastrophalen Ausbleiben des alljährlichen Monsuns. Außerdem scheint sich der Einfluss des Menschen auf das Klima zu bestätigen. Niemals war es so warm wie während der letzten 50 Jahre.
Die Dürre hatte biblische Ausmaße. Sieben Jahre lang litten die Menschen in Indien unter der schrecklichsten Trockenheit der letzten 1 000 Jahre. Es begann 1790, als mit einem Mal der Südwest-Monsun ausblieb. Erst 1796 kehrte er zurück und erlöste das Land mit seinen regelmäßigen Niederschlägen. Bis dahin hatte die Katastrophe mehr als 600 000 Menschenleben gefordert.

Die Hinweise auf insgesamt acht solcher Katastrophen stammen aus einer Reihe von Eiskernen, die ein Team internationaler Wissenschaftler vom Dasuopu-Gletscher im Himalaya entnahmen. Dieses Eisfeld befindet sich auf den Flanken des Xixabangma, einem gut 8 000 Meter hoch gelegenen Gebiet am südlichen Rand des Tibet-Plateaus. Damit ist dieses Klimaarchiv das höchste überhaupt. Selbst Wetter-Ballons können kaum weiter aufsteigen. Im ewigen Eis hochgelegener Gletscher erhalten sich insbesondere die frühen Anzeichen von Klimaveränderungen. In den drei Kernen gelang den Wissenschaftlern vom Byrd Polar Research Center der Ohio State University und dem chinesischen Lanzhou Institute of Glaciology and Geocryology für die letzten 557 Jahre eine feine Auflösung von einem Jahr.

Die Eigenschaften des eingeschlossenen Staubes lassen auf Trocken- oder Feuchtzeiten schließen. Chlorid-, Sulfat- und Nitratkonzentrationen geben Aufschluss über vulkanische Aktivitäten, die Ausbreitung der Wüsten und die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Mithilfe der Verhältnisse verschieden schwerer Isotope von Sauerstoff und Wasserstoff konnten die Wissenschaftler die Temperaturen jener Zeit rekonstruieren, als sich die Eisschichten bildeten.

Neben dem unerklärlichen Ausbleiben des sommerlichen Monsuns zeigten die Daten auch den deutlichen Anstieg der Temperaturen in der jüngsten Vergangenheit. So waren sowohl das letzte Jahrzehnt als auch die vergangenen 50 Jahre die wärmsten Perioden in den 1 000 Jahren, die sich aus den Kernen rekonstruieren ließen. Allein im Laufe der letzten 100 Jahre haben sich die Staubgehalte im Gletschereis vervierfacht. Die Chloridkonzentrationen haben sich in dem gleichen Zeitraum verdoppelt. Dies sind offensichtliche Hinweise darauf, dass die Region immer weniger Niederschläge erhält und die Verwüstung fortschreitet. Für Lonnie Thompson vom Department of Geological Sciences der Ohio State University besteht deshalb kein Zweifel, dass diese Erwärmung zum großen Teil, wenn nicht ganz durch den Menschen verursacht wurde. Auch ähneln die Ergebnisse vom Himalaya denen vom Gipfel des Kilimanjaro.

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