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News: Umweltschutz auf Lateinisch

Der Umgang mit der Natur steht auf dem Programm des 3. Deutschen Archäologenkongresses, der vom 25. bis 30. Mai 1999 in Heidelberg stattfindet. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kernphysik in Heidelberg können nun die Bodennutzung vergangener Epochen rekonstruieren. Ihr Ergebnis für den deutschen Raum: Die Römer gingen verantwortungsvoller mit dem von ihnen genutzten Boden um, als bislang gedacht, und achteten auf ein Gleichgewicht zwischen Erosion und Bodennutzung.
Rodet man den Boden an leicht geneigten Hängen, hat starker Regen leichtes Spiel. Er spült das Erdreich ab, so lange bis der lockere Boden weggeschwemmt ist oder Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Erde sammelt sich am Fuß des Hanges in sogenannten Kolluvien. "Wir haben nun einen Methode entwickelt, mit der man nun nicht nur bestimmen kann, wieviel abgetragen worden ist, sondern vor allen Dingen auch den Zeitpunkt des Abtrags", erläutert Professor Günther Wagner. Er leitet die Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften am Max-Planck-Institut für Kernphysik . Die Forscher untersuchten mehrere Stellen im deutschen Raum an. Das Ergebnis war eine kleine Sensation: "Es stellte sich heraus, daß die Bodenerosion zur Römerzeit gar nicht so groß war wie angenommen, viel schlimmer ist es im Mittelalter gewesen", so Wagner.

Offenbar sind die Römer weitaus sorgfältiger als gedacht mit ihrer Umwelt umgegangen. Bislang prägt das Bild vom römischen Raubbau an der Natur das Bild vom Weltreich. Offenbar hatten die Kolonisatoren aber bereits Kenntnisse vom Umgang mit einem Geo-Ökosystem. Sie verfügten über Landnutzungstechniken, die ein Gleichgewicht zwischen Erosion und Nutzung ermöglichten. Welche Methoden die Römer anwandten, ist noch nicht klar. "Dazu brauchen wir jetzt detaillierte geologische Methoden", meint Wagner. Dazu zählen bodenkundliche und sedimentologische Untersuchungen und eine Aufstellung über Pollengehalt des Erdreichs. Die Forscher untersuchen den gesamten Zeitraum der ackerbaulichen Bodennutzung in Europa, der bis in die Zeit vor 7000 Jahren zurückreicht. Danach gab es zu Beginn des Ackerbaus, zur Bronzezeit, und im Mittelalter besonders starke Bodenerosionen. Aber auch die Römer waren nicht ohne, wenn auch nicht so schlimm wie gedacht. Weitere Untersuchungen sollen jetzt näheren Aufschluß über die Bodennutzung geben.

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