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Coronavirus-Regel: Urlaub nur mit negativem Test

Bringt es wirklich etwas, wenn Urlauber negative Corona-Tests vorweisen müssen? Fachleute halten die Idee für nicht hilfreich. Es geht nämlich auch viel einfacher.
Ein Arzt nimmt einen Nasenabstrich von einem Mann.Laden...

Medizinische Analytik soll darüber bestimmen, für wen Einschränkungen wegen des Coronavirus gelten – und wer befreit ist. Mehrere Bundesländer haben angekündigt, dass Maßnahmen wie Beherbergungsverbot oder Quarantäne für Personen mit negativem Test nicht gelten sollen. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gilt derzeit ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Landkreisen, in denen die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern überschritten wird. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es dagegen eine Quarantäneregelung, in Mecklenburg-Vorpommern ein Einreiseverbot. Andere Länder planen ebenfalls entsprechende Einschränkungen – und Ausnahmen bei Vorlage negativer Tests.

Fachleute allerdings halten all das für wenig hilfreich. Grund dafür ist, dass ein einzelner Test keinesfalls garantiert, dass man nicht infiziert ist – zumal sich die Obergrenze auf nur wenige Tage zurückliegende Neuinfektionen bezieht. »Wenn jemand sich ansteckt und das Virus gerade erst frisch in den Körper gelangt ist, ist der PCR-Test wahrscheinlich noch ein bis drei Tage negativ«, sagt Susanne Pfefferle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf dem Science Media Center. »Dementsprechend ist ein negativer Test bei symptomatischen Patienten aussagekräftiger als bei (noch) asymptomatischen.«

Konsequenterweise dürfte man deswegen einen einzelnen Test gar nicht als Nachweis betrachten, sondern müsste ihn wiederholen, sagt sie weiter. Der Aufwand, den die konsequente Umsetzung der testbasierten Ausnahmeregelung erfordern würde, sei immens. Andere Fachleute hinterfragen aus diesem Grund, ob der Nutzen den Aufwand rechtfertigt. »Massentests wären prinzipiell hilfreich, um auch den letzten Asymptomatiker zu erfassen«, sagt Friedemann Weber von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Allerdings sei auch bei dieser Strategie die Frage, ob das in dem erforderlichen Umfang auch realistisch ist und den Aufwand rechtfertigt. Dabei würden Kapazitäten gebunden, die an anderer Stelle vielleicht nötiger sind. Vor allem aber ist die ganze Maßnahme nach Ansicht des Virologen schlicht unnötig. »Wenn am Urlaubsort alle Regeln befolgt werden, sollte es sowieso nicht zu einer signifikanten Verbreitung kommen.«

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