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News: Vitamin C für alle Fälle

Wer sich gegen einen Angreifer verteidigen muß, sollte immer darauf achten, die Mittel sorgfältig zu wählen. Dem Verteidiger darf seine eigene Waffe nicht schaden. An diese Regel halten sich auch Immunzellen, die ätzende Chemikalien gegen eindringende Bakterien einsetzen. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, daß Vitamin C möglicherweise als ein solcher Schutz dient, der einen wichtigen Typus der Immunzellen vor der Selbstvernichtung bewahrt.
Neutrophile genannte Immunzellen zerstören die Bakterien mit Hilfe einer zweistufigen Attacke: Zunächst erzeugen sie Oxidationsmittel, welche die Zellenwand eines Bakteriums durchlöchern. Im nächsten Schritt verschlingen sie den nun wehrlosen Erregern. Neuere Studien von Mark Levines Gruppe am National Institutes of Health (NIH) zeigen, wie Neutrophile möglicherweise vermeiden, sich selbst zu vergiften: Sie nehmen zusätzliche Ascorbinsäure (Vitamin C) auf, das die Oxidationsmittel zu neutralisieren vermag (Dezember-Ausgabe von Proceedings of the National Academy of Sciences).

Um diese Theorie zu testen, hat ein Team unter der Leitung von Levine und seinem Kollegen Yauhui Wang Neutrophile von Menschen mit bakteriellen Infektionen gesammelt. Die Zellen wurden bis zu einer Stunde in Schälchen, die mit Vitamin C und Nährstoffen versehen waren, inkubiert. Ein Teil der Schälchen wurde mit Bakterien infiziert, die anderen blieben steril. Innerhalb von 20 Minuten hatten Neutrophile aus den infizierten Schälchen bis zu 30 mal mehr Vitamin C akkumuliert, als die Zellen in bakterienfreien Schälchen. Die Forscher fanden ebenfalls heraus, daß Neutrophile von Menschen, die an der seltenen chronischen Granulomatose-Krankheit leiden, die sie für bakterielle Infektionen besonders anfällig macht, beim Kontakt mit Bakterien kein Vitamin C akkumulieren.

Vitamin C-Vorräte anzulegen, „könnte eine sehr clevere Methode sein, mit der Neutrophile sich selbst schützen” sagt der Biologe John Curnutte von Genentech, Inc. in San Francisco. Er und Levine warnen jedoch davor, daß Neutrophile sich im Körper möglicherweise anders verhalten als im Labor. Die entscheidende Frage ist, fügt der Zellbiologe Sam Silverstein von der Columbia University in New York City hinzu, ob eine erhöhte Vitamin C-Gabe die Neutrophile eines Menschen zu besseren Bakterienkillern macht. Trifft dies zu, sagt Levine, dann wäre Vitamin C eine einfache und sichere Methode für die Behandlung von Bakterienstämmen, die gegen Antibiotika resistent sind.

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