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News: Wenn dem Nebelwald der Nebel ausgeht

Zwar sprechen alle vom Klimawechsel, die Auswirkungen scheinen jedoch in allzu ferner Zukunft. Ein Irtum: Eine Krötenart ist wahrscheinlich schon ausgestorben, als tropischen Nebelwäldern der Nebel ausging. Eine neue Studie setzt dies in direkten Zusammenhang mit dem Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre.
In den meeresnahen Tropen herrscht in großer Höhe meist ständiger Nebel. Feuchte Meeresluft wird gezwungen emporzusteigen und kühlt dabei ab. Da kalte Luft weniger Wasser aufnehmen kann als warme, bildet sich Nebel. Tausende Arten von Pflanzen und Tieren haben sich auf diese besonderen Umweltbedingungen eingestellt und bilden das Ökosystem Nebelwald oder Bergregenwald. Dessen Höhe liegt bei tausend bis viertausend Metern und ist abhängig von einem raffinierten Wechselspiel aus Temperatur und Feuchtigkeit. Eine Forschergruppe um Stephen Schneider von der Stanford University simulierte die Wolkenbildung in tropischen Gebirgsregionen in Costa Rica, Kolumbien, Borneo und Zentralafrika. Sie interessierten sich im besonderen für den Einfluß des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre und erhielten als Ergebnis, daß die Erwärmung der Ozeane ein Ansteigen der Nebel bewirkt (Nature vom 15. April 1999).

Das Team ging von einer Verdopplung des Kohlendioxids aus, wie sie für das nächste Jahrhundert vorausgesagt wird. Unter Berücksichtigung der Temperaturänderung der Ozeane und der Atmosphäre sowie dem daraus resultierenden Einfluß auf die Luftbewegungen errechneten die Wissenschaftler, daß die Zone der Wolkenbildung um einhundert bis zweihundert Meter ansteigen wird. Wenn sie dann über den Berggipfeln liegt, kann das Ökosystem nicht folgen und stirbt.

Unabhängig von Schneiders Gruppe verglichen Wissenschaftler vom Monteverde Cloud Forest Preserve in Costa Rica Klimadaten der letzten Jahrzehnte mit den Populationen von Eidechsen, Vögeln, Fröschen und Kröten. Die Feuchtigkeit ging generell im Nebelwald innerhalb der letzten 25 Jahren merklich zurück, und es zeigte sich, daß es in den letzen zwölf Jahren drei Einbrüche in der Frosch- und Krötenpopulation gab – genau zu den Zeiten, in denen es besonders trocken war und sich kein Nebel bildete. Die Goldkröte, die bisher nur in Monteverde gefunden wurde, haben die Wissenschaftler nach einer solchen Trockenperiode im Jahr 1987 nie mehr angetroffen. Zeiten, in den denen es wenig Nebel gab, wurden auch von einer Bevölkerung durch Vögel begleitet, die normalerweise in niedrigeren Höhen anzutreffen sind.

Für den Fall, daß die Goldkröte wirklich verschwunden ist, wäre sie wahrscheinlich die erste Art, die den Klimaveränderungen der letzten Jahre zum Opfer gefallen wäre. Die Modellrechnungen zeigen, daß die Zukunft auch für andere Bewohner der Nebelwälder trostlos aussehen könnte.

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