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Wohlbefinden: Zeit in der Natur ist Geld wert

Ein geringes Einkommen schlägt sich im Wohlbefinden nieder. Doch wer seine freie Zeit häufig im Grünen verbringt, fühlt sich so gut wie Besserverdienende.
Junge Frau genießt die Natur
Ein Ausflug in die Natur tut der Seele gut, besonders bei bescheidenen Einkünften. (Symboldbild)

Menschen mit geringerem Einkommen geht es umso besser, je häufiger sie sich in der Natur aufhalten – lediglich im Grünen zu wohnen, macht noch keinen Unterschied. Bei höherem Einkommen spielt beides keine Rolle fürs Wohlbefinden. Das berichtet eine Forschungsgruppe aus Österreich in der Zeitschrift »Health & Place«.

Das Team um die Psychologin Leonie Fian von der Universität Wien hatte 2300 Personen in Österreich, knapp 500 aus Wien, nach ihrem Einkommen, ihrem emotionalen Wohlbefinden und ihrer Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen befragt. Außerdem sollten sie angeben, wie häufig sie in den vergangenen vier Wochen ihre Freizeit im Grünen oder am Wasser verbracht hatten, beispielsweise im Park oder im Wald, in den Bergen, im Schwimmbad, an Flüssen oder Seen. Im Durchschnitt kamen die Befragten auf 26 solche Aufenthalte. Über Satellitenfotos wurde außerdem der Grünanteil in einem Umkreis von 1000 Metern um ihr Zuhause erfasst.

Im Mittel ging es den Befragten umso besser, je grüner ihr Wohnumfeld war und je häufiger sie sich in der Natur aufgehalten hatten. Bei vergleichbarem Einkommen spielte der Grünanteil jedoch keine Rolle mehr, nicht einmal der Zugang zu einem eigenen Garten. Für das Wohlbefinden der Reicheren war es auch nicht so wichtig, wie oft sie ins Grüne oder ans Wasser kamen. Aber je geringer die Einkünfte, desto stärker der Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Zeit in der Natur.

Die Natur zahlt aufs emotionale Konto ein

Bei mehreren Naturkontakten pro Woche ging es den Geringverdienenden fast so gut wie den Einkommensreichen. Laut Fian lässt sich das Naturerleben sogar in Geld umrechnen: Mindestens ein Aufenthalt pro Woche tue dem Wohlbefinden ebenso gut wie 1000 Euro mehr Einkommen im Jahr. Und wer dreimal pro Woche 40 Minuten in der Natur verbringe, könne selbst den Glücksvorsprung von verheirateten Paaren aufholen.

»Wo die Menschen ihre Freizeit verbringen, ist wichtiger, als wo sie wohnen«, so lautet das Fazit der Forschenden. Womöglich gelte das aber nicht für Länder, in denen sich die Wohnverhältnisse von Arm und Reich stärker unterscheiden. In Österreich jedoch könnten öffentliche »Grün- und Blauräume« helfen, einkommensbedingte Ungleichheiten zu verringern. Die vorliegenden Umfragedaten ließen zwar eigentlich nicht auf Ursache und Wirkung schließen, wie die Gruppe einräumt. Doch Längsschnittstudien hätten bereits vielfach bestätigt, dass Zeit in der Natur unter anderem Stress mindert und die Lebenszufriedenheit fördert.

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