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News: Zucker im Weltall

Astronomen haben Zuckermoleküle im Zentrum unserer Milchstraße aufgespürt. Beim Blick in eine riesigen Gaswolke stießen sie auf die süße Überraschung, und ihrer Ansicht nach gibt die Entdeckung neues Futter für eine ohnehin schon hitzige Debatte darüber, wie das Leben entstand.
Möglicherweise entstand das Leben auf der Erde aus einfachen organischen Molekülen, die sich unter den extremen Bedingungen der Erdfrühzeit erst bloß zu größeren Strukturen und schließlich zu sich selbst vervielfältigenden Riesenmolekülen zusammenfanden. Das könnten die Vorläufer unserer Erbmoleküle, der Desoxyribonucleinsäure (DNA) und Ribonucleinsäure (RNA) gewesen sein. Später kamen dann Proteine und Fettsäuren dazu. Der Theorie folgend, wären dann aus dieser Mischung die ersten primitiven Einzeller hervorgegangen.

Um diese Idee zu nähren, suchen einige Astronomen mit ihren Teleskopen nach solchen Vorläufermolekülen im Weltall. Bisher haben sie schon über 120 verschiedene Molekülsorten in den Weiten gefunden – viele davon organischer Natur und damit potentielle Kandidaten für die Entstehung des Lebens. Jetzt entdeckten Astronomen einen Zuckerstoff, als sie mit dem 12 Meter Radioteleskop auf dem Kitt Peak in Arizona das Zentrum unserer Milchstraße nach organischen Substanzen absuchten. In den äußerst schwachen Radioemissionen der zentralen Staubwolke – der Geburtsstätte zahlloser Sterne – sichteten die Wissenschaftler die Frequenz-Signatur von Glykolaldehyd. "Die Entdeckung dieser Zuckermoleküle in einer Wolke, in der gerade neue Sterne entstehen, bedeutet, dass sich wahrscheinlich die chemischen Vorläufer des Lebens schon lange vor der Entstehung von Planeten um einen Stern bilden," erläutert der Entdecker Jan M. Hollis vom NASA Goddard Space Flight Center. Mit seinen Kollegen Frank J. Lovas von der University of Illinois und Philip R. Jewell vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO) will er die Entdeckung demnächst in den Astrophysical Journal Letters veröffentlichen.

Das achtatomige Molekül besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Von der Zusammensetzung her ähnelt es den ebenfalls im Weltraum vorkommenden Verbindungen Essigsäure und Methylformiat, einem Abkömmling der Ameisensäure. Die Verbindungen unterscheiden sich in ihrer Struktur und in ihren Eigenschaften. Glycolaldehyd schmeckt tatsächlich süß und ist praktisch ein einfacher Verwandter des Zuckers, den wir uns in den Kaffee rühren. Zusammen mit anderen Molekülen kann daraus Glucose oder Ribose werden, ein Grundbaustein der RNA und Vorläufer eines DNA-Bestandteils.

Wahrscheinlich gleichen die Bedingungen in der riesigen interstellaren Wolke Sagittarius B2 denen auf der frühen Erde. Deshalb hoffen die Wissenschaftler nun, dass die Beobachtungen Hinweise darauf bringen, wie sich komplexe Moleküle auf unserem Heimatplaneten gebildet haben könnten. Ein strittiges Thema. Denn andere Astronomen gehen eher davon aus, dass die ersten Lebenskeime als Meteoritenfracht auf der Erde eintrafen. Somit wäre das Leben auf der Erde "gesät" worden – mit Molekülen, die in einer interstellaren Wolke entstanden. Vermutlich gingen diese Keime aus demselben Objekt hervor, aus dem sich auch unser Sonnensystem bildete.

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