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Eiskalte Faszination

Das ewige Eis an den Polen: Es spielt eine wichtige Rolle für das Erdklima – und leidet am stärksten unter dem Klimawandel. Die Meeresgründe der Arktis und Antarktis gehören zu den reichhaltigsten des Planeten – und spüren trotz ihrer harschen Bedingungen bereits die Folgen der industrialisierten Fischerei. Und die Regionen gehören zu den lebensfeindlichsten Gebieten der Welt – und üben dennoch eine magische Anziehungskraft auf Forscher und Touristen aus, die einmal in ihrem Leben den gigantischen Eisbergen, einem Eisbären oder auch nur sich selbst begegnen wollen.

Auch Kerstin Viering und Roland Knauer sind in ihrem Buch "Arktis und Antarktis" dieser Faszination erlegen – und das merkt man ihrem lesenswerten Werk auch an. Die beiden Autoren hatten zudem das (auch nach eigenen Angaben) Glück, dass sie auf zwei Reisen in die Polargebiete Eindrücke aus erster Hand sammeln konnten – einmal mit dem WWF nach Spitzbergen und das andere Mal mit dem norwegischen Forschungsschiff "Polar Star" in die Antarktis.

Die Reise beginnt mit einem Ausflug in die Vergangenheit, als die Polarforschung nochmals viel gefährlicher war als heute und Pioniere wie Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, Robert Falcon Scott oder Ernest Shackleton sich tief in die Welten aus Eis, Schnee und winterlicher Dunkelheit vorwagten: Manche scheiterten kurz vor dem Ziel, andere erlangten ewigen Ruhm – ihre Durchsetzungkraft ist vielen der heutigen Forscher noch Vorbild und Ansporn.

Die Methoden und Möglichkeiten haben sich seit damals allerdings gehörig verbessert, wie im zweiten Kapitel klar wird: Moderne Eisbrecher, Hubschrauber, Spezialkleidung oder feste Polarstationen ermöglichen es den Männern und Frauen Monate oder gar Jahre im Eis zu verbringen. Dadurch gewinnen sie völlig neue und vor allem langzeitige Erkenntnisse über das Klima, die Gletscher und die Tierwelt des hohen Nordens und Südens – selbst die Tiefsee rund um die Pole gehört nicht mehr zu den unerreichbaren Gefilden.

Diese Erkenntnisse bereiten die beiden Autoren dann im weiteren Verlauf des Buchs auf, in denen sie sich zum Beispiel mit dem Klima an den Polen auseinandersetzen. Trotz einiger Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel der Polarnacht und der geringen Sonnenenergie, die hier selbst während des Sommers eintrifft, gibt es auch extreme Unterschiede. Sie rühren aus der unterschiedlichen Geografie von Arktis und Antarktis her, denn während die eine der isolierte Südkontinent ist, besteht die andere neben den Eismassen auf der Insel Grönland zu großen Teilen einfach aus gefrorenem Meereis das von unvereisten Festländern umgeben ist. Deutlich extremere Bedingungen im Süden sind das Resultat.

Umgekehrt sorgen diese Differenzen dafür, dass die Arktis bislang viel stärker von der Erderwärmung betroffen ist als ihr Gegenstück (in der Antarktis spielt das Ozonloch noch eine kühlende Sonderrolle), wo vor allem die gen Südamerika ragende Antarktische Halbinsel betroffen ist. Der Rest des Eiskontinents gehört noch zu den einigermaßen rätselhaften Bereichen der Klimawissenschaft.

Die klimatischen Unterschiede schlagen sich auch in der Tierwelt nieder, denn in der Antarktis kann kein landlebendes Säugetier die Extremwinter überleben (außer dem Menschen mit seiner Technik). Auch die meisten Vögel verlassen dann die Region, sieht man von den Königspinguinen ab. Dagegen tummeln sich in der Arktis eine ganze Reihe von Säugern, die sich an die harschen, aber nicht zu extremen Bedingungen angepasst haben – der bedrohte Eisbär vorneweg.

Die reichen Tierbestände zogen über die Jahrhunderte allerlei Menschen an, die zu Millionen die Vögel, Robben und Wale abschlachteten. Heute locken Krill und Fische – und auch immer noch die Wale, denen japanische Jäger nachstellen. Ansonsten sind die Gemetzel glücklicherweise Vergangenheit, so dass sich der aufblühende Tourismus an Massen von Tieren erfreuen kann.

Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Beispiele, Anekdoten und vor allem das geballte Wissen wiederzugeben, die in diesem Buch stecken. Geschrieben wurde es von zwei profilierten Wissenschaftsjournalisten, sehr gute Geschichten erzählen können. Trotz der geballten Fakten eignet sich "Arktis und Antarktis" deshalb auch als spannende Bettlektüre, die man am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Garniert wird das Buch zudem durch zahlreiche gelungene und treffende Abbildungen von Jürgen Willbarth: Sie zeigen viele der wunderlichen Tiere, der menschlichen Eroberungen und Schicksale. Insgesamt kann man dieses Buch jedem wissenschaftlich, historisch und ökologisch interessiertem Leser nur ans Herz legen.

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