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»Der Traum vom All«: 100 Erfindungen aus dem Bereich der Astronomie

Das Buch vereint bekannte und vor allem auch weniger bekannte Erfindungen auf dem Gebiet der Astronomie und lädt zum Schmökern ein.
Eindrucksvoller Nachthimmel über Deutschland

Seit das British Museum in einer groß angelegten Radioreihe die Geschichte der Menschheit anhand von hundert Exponaten erzählt und ein Buch dazu veröffentlicht hat (auf Deutsch 2013 erschienen als »Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten« bei C.H. Beck), sind entsprechende Projekte in Mode. Auch das Deutsche Museum hat die Idee aufgenommen und stellt »Die Welt der Technik in 100 Objekten« (C.H. Beck, 2022) dar. Der amerikanische Astronom Sten Odenwald, Direktor des NASA Space Science Education Consortium, nimmt nun die Leserinnen und Leser mit auf eine Zeitreise durch die letzten 73 000 Jahre und beschreibt hundert Erfindungen, mit denen die Menschheit den Traum vom All verwirklicht hat.

Je eine Doppelseite ist einem Gegenstand (die Fotografien sind matt gedruckt) mit Bezug zur Astronomie oder Raumfahrt gewidmet. Die Spannweite reicht von einem Mondkalender auf Knochen aus prähistorischer Zeit über eine Sternkarte der Pawnee-Indianer (um 1700) oder den Multifaser-Spektrografen (1978) bis hin zum James-Webb-Weltraumteleskop, das in diesen Tagen öfters in den Nachrichten mit neuen faszinierenden Bildern vertreten ist.

Odenwald möchte keine abgedroschene »Hitparade der größten Spektakel« liefern, sondern lenkt mit großer Sachkenntnis auf die nur Fachleuten bekannten oder unscheinbaren technischen Fortschritte, die jedoch einen großen Einfluss auf die Entwicklung hatten. Aber natürlich dürfen auch hier die Himmelsscheibe von Nebra, der Mechanismus von Antikythera oder das Event-Horizon-Teleskop nicht fehlen.

Gelegentlich, vor allem wenn es weniger um technologische als um wissenschaftshistorische Details geht, wiederholt Odenwald festsitzende Unsauberkeiten. So war etwa der englische Physiker William Crookes sicherlich nicht der Erste, der die Ablenkbarkeit der Kathodenstrahlen mittels eines Magneten fand – das war zur Zeit von Crookes schon seit fast 30 Jahren bekannt. Und dieses einfache Experiment führte sicherlich auch nicht zur Erkenntnis, dass die elektrischen Strahlen »schlicht« aus Elektronen bestehen. Die »Entdeckung« des Elektrons als massenbehaftetes Elektrizitätsquantum war ein komplexes und langwieriges Herantasten an ein schwer verständliches Problem.

Auch die Darstellung der kopernikanischen Revolution folgt einer wissenschaftshistorisch überholten Version. Man kann eigentlich die überragende Bedeutung des ptolemäischen Systems gar nicht genug betonen. Schließlich war es über 1500 Jahre das unbestrittene Hauptwerk allen astronomischen Wissens und bis in die Zeit des Kopernikus hinein galt Ptolemäus als »König der Astronomie«. Wer die Annahmen des Epizykel-Modells, das Kreise auf Kreisen rotierenden lässt, als »fehlerhaftes Verständnis« verunglimpft, verkennt deren Bedeutung völlig. Nicht zuletzt kann man die Überlagerung von Kreisbewegungen retrospektiv als Fourier-Zerlegung der scheinbaren Planetenbahnen deuten.

In der Gesamtschau kann man aber über solche Kleinigkeiten hinwegsehen und immer wieder in dem lesenswerten Buch schmökern.

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