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Quo vadis deutsche Energie?

Kann sich Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie überhaupt leisten – bei allen Unwägbarkeiten auf dem Energiemarkt? Eine Antwort darauf versucht die Physikerin und Politikjournalistin Jeanne Rubner in ihrem Buch "Das Energiedilemma" zu finden. 28 Prozent des Strombedarfs der Bundesrepublik wird heute aus Atommeilern gedeckt, gleichzeitig wird erdrückend klar, wie stark wir heute schon von russischem Erdgas oder Erdöl aus Nahost abhängen. Energie wird heute noch immer mit einem geringem Wirkungsgrad erzeugt, schlecht übertragen und ineffizient genutzt. Wie geht dieses Buch mit den vielen Problemen um?

Deutschland ist in eine Zwickmühle geraten: Es hat den Atomausstieg beschlossen und will gleichzeitig die Erde vor dem drohenden Klimakollaps retten. Doch wie soll das gehen? In einer durchaus realistischen Einschätzung der vorhandenen Energien wird die "Lücke" aufgezeigt und eine realistische Energiepolitik diskutiert. Sind der Abbau von ölhaltigem Sand, Schiefer oder das Tiefseeöl die nächsten, ökologisch sinnvollen Stationen im Wettlauf um das Öl?

In einem der ersten Kapitel wird das Öl genauer beleuchtet. Der "Schmierstoff" der Industrieländer deckt augenblicklich circa vierzig Prozent des Energiebedarfs der Welt. Seine Geschichte beginnt mit dem ersten Ölfund 1859 und schließt mit der Konferenz im Jahr 2006 der IEA (Internationale Energieagentur), die eine Ölknappheit in den nächsten Jahren vorhersagt. Die schier unglaubliche Menge von hundert Millionen Barrel Öl wird täglich verbraucht, und das ist noch nicht die Spitze!

Kurz wird auf die ‚Seven Sisters' eingegangen; jene sieben Ölfirmen in westlicher Hand, die in den 1970er Jahren das Öl fanden, raffinerierten und weltweit verteilten. Knapp wird die Situation der USA geschildert – fünf Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen mehr als ein Viertel des Weltenergiebedarfs. Die Daten, die die Autorin auf die Seiten zaubert, sind durchwegs schockierend. Die Produktion in den USA geht seit 1971 kontinuierlich zurück; inzwischen müssen zwei Drittel des Bedarfs importiert werden. Der Einfluss auf die Politik des Landes ist nicht zu übersehen. Die Autorin beschreibt auch China, und die Lage ist dort um nichts rosiger. Das Reich der Mitte liegt heute an zweiter Stelle des Weltenergiebedarfs und wird im Jahr 2020 nach Schätzungen der IEA die USA überholt haben.

Zurück zu Deutschland: Hierzulande entsteht fast jede zweite Kilowattstunde aus der Verstromung von Kohle – und das Ende ist noch nicht erreicht. Doch gerade die großen Braunkohlebergwerke hinterlassen riesige Wunden in der Natur, schreibt die Autorin. Immerhin wollen Ingenieure Mitte 2008 beweisen, dass Kohle und Klimaschutz kein Widerspruch sind und ein Kraftwerk ohne Kohlendioxid zum Laufen bringen. In Norwegen wird bei der Erdölförderung schon seit Jahren verflüssigtes CO2 unterirdisch in Gesteinsschichten gedrückt – ähnliches soll bei der Energieerzeugung gelingen. Da die Sandsteinschichten wie ein Schwamm wirken, soll das Gas hoffentlich dort auch bleiben. Aber wie lang? Und was denken unsere Kinder darüber?

Solarzellen, solarthermische Kraftwerke und Mischformen, wie in den USA installiert, geben da mehr Hoffnung auf saubere Energie. Der Vergleich der "energetischen Amortisationszeit" dieser unterschiedlichen Energielieferanten zeigt jedoch auch sehr große Unterscheide – sie variiert zwischen fünf Monaten und bis zu fünf Jahren. Das macht manche Produktionsmethoden energetisch kurzfristig unmöglich!

Auch der Wind als Alternative darf nicht fehlen. 200 Millionen DM waren nach der ersten Ölkrise dafür verfügbar, während allein im Jahr 2005 rund 1050 Windenergieanlagen ans Netz gingen – damit ist Deutschland weltweit führend! Bis 2030 sollen weitere 5000 großer Windkraft-Türme im Wasser auf hoher See stehen und ein knappes Sechstel des gesamten Stromverbrauchs liefern. Der Biosprit kommt auch nicht zu kurz, doch die Nachteile überwiegen nacht Rubner die Vorteile bei weitem.

Warum aber immer nur auf der Erzeugerseite anfangen? Bis zu vierzig Prozent des Energiebedarfs könnten von Haushalten, Industrie, Gewerbe und Handel eingespart werden. Ob dies aber mit der Eventgesellschaft unserer Tage vereinbar ist, bleibt fraglich

Verbesserungsvorschläge hätte ich auch einige: Das Buch hat keine einzige Grafik, Tabellen oder Listen, die eine Strukturierung des Themas zeigen. Genaue Quellenangaben zu den zitierten Resultaten (etwa auf Seite 180) oder Modellrechnungen fehlen. Den Handel mit Emissionsrechten an Börsen hätte ich gerne detaillierter geschildert bekommen und nicht nur in Schlagworten.

Abschließend werden kurz und präzise die Folgen des Atomkraftaustiegs für Deutschland geschildert. Zudem rekapituliert Jeanne Rubner die Geschichte des Reaktorunfalls von Three Mile Island geschildert – sehr einprägsam, was da alles schiefging! Dennoch hat die Autorin ihren Kleber "Atomkraft- nein, danke" vom Auto genommen. Ich wäre nach diesem Buch noch nicht bereit dazu!

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