Direkt zum Inhalt

Lebensmittel: Insektenreste in Schokolade und Gewürzen

Alle Jahre wieder kommt man nicht um sie herum: Lebkuchen, Plätzchen und viel Schokolade. Herstellungsbedingt enthalten sie aber auch Zutaten, die man nicht erwartet …
© Lars Fischer / Mike Beckers
WWAS: Weihnachtsfolge 2018

Veröffentlicht am: 20.12.2018

Laufzeit: 0:04:22

Sprache: deutsch

Wir Werden Alle Sterben ist der Wissenschafts-Videocast auf Leben und Tod der Spektrum-Redakteure Mike Beckers und Lars Fischer.

Hallo und herzlich Willkommen zur diesjährigen Weihnachtsfolge von »Wir werden alle sterben«, dem Wissenschafts-Videocast auf Leben und Tod. Passend zur Jahreszeit beschäftigen wir uns heute mit so leckeren Sachen wie Gewürzen und Schokolade – und den vielen, vielen Insektenteilen, die sie enthalten.

Gewürze und Kakao sind davon besonders betroffen. Warum das so ist, kann man sich sehr einfach klarmachen: Gewürze sind einfach Pflanzenmaterial, das geerntet und getrocknet wird beziehungsweise im Fall von Zimt und der Kakaobohne fermentiert. Das heißt, der Kram liegt offen rum, und da Insekten fast überall kreuchen und fleuchen, krabbeln sie auch zwischen solchen Rohstoffen.

Außerdem sterben sie da auch, und ihre vertrockneten Hüllen zerfallen in Flügelstückchen, Beinglieder, Fühler und andere Fragmente. Wenn die Gewürze dann gemahlen werden, werden die Viecher mitgemahlen, und so enthalten zum Beispiel Zimtsterne nicht nur Zimt, sondern auch eine Prise pulverisierte Käferbeine. Das gilt natürlich für andere Plätzchen auch, denn nicht nur Gewürze enthalten Insektenteile, sondern auch Getreide, und damit auch Mehl.

Wie viel Krabbeltier in so einem Zimtstern steckt, dazu habe ich hier in Deutschland keine Daten gefunden, weil die EU keine Höchstmengen für solche Verunreinigungen wie Haare, Rattenkot oder eben Insekten vorgibt. Die Annahme ist, dass Lebensmittel einfach nicht verunreinigt zu sein haben. Das ist natürlich ziemlich naiv, denn die Insektenbruchstücke, die zwischen Nelken oder im Sternanis rumfliegen, sind oft so klein sind, dass man sie nie im Leben da wieder rausbekommt.

Das ist aber auch nicht so tragisch, denn so ein Stück Käfer im Keks ist völlig harmlos. Ihr könntet auch Lebensmittelmotten einfach mitessen. Praktischerweise hat die Lebensmittelbehörde der USA sich aber trotzdem die Mühe gemacht, für viele Lebensmittel festzulegen, wie viele Insektenteile da drin sein dürfen. Das ist dann ungefähr die Menge, die auch bei sorgfältiger Herstellung nicht zu vermeiden ist.

Bei Zimtpulver zum Beispiel sind das 400 Insektenstücke auf 50 Gramm, dazu kommen noch mal elf Rattenhaare. Bei Mandeln und Nüssen dürfen etwa fünf Prozent der Kerne von Insekten befallen sein, und Kakaopulver darf 75 Insektenstücke pro 50 Gramm enthalten.

Entsprechend enthält natürlich auch fertige Schokolade reichlich Insektenteile, als akzeptabel gelten laut US-Vorschriften 60 Insektenteile pro hundert Gramm Schokolade. Und die sind auch drin. Das erkennt man daran, dass Schokoladenallergiker in den meisten Fällen gar nicht gegen Schokolade selbst allergisch sind, sondern, wie sich herausgestellt hat, gegen die enthaltenen Kakerlaken.

Das klingt alles nicht so toll, aber zum Glück haben wir von »Wir werden alle sterben« eine sehr elegante und pragmatische Lösung für das Problem mit den Insekten in der Schokolade gefunden: Bei uns gibt es ab jetzt einfach Mehlwurm-Crossies.

Guten Appetit, frohe Weihnachten und bis zur nächsten Folge von »Wir werden alle sterben«.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos